Mit Hülfe von Brennmaterial.
Das mit Hülfe von Brennmaterial aus dem Meerwasser dargestellte Kochsalz (sel ignifère) wird in der Normandie, besonders zu Avranchin, in den Laverien auf folgende Weise gewonnen. Man benutzt dort den salzhaltigen Sand an der Meeresküste, um des Seewasser mit dem darin enthaltenen Salze zu sättigen. Das so erhaltene salzreiche Seewasser wird darauf abgedampft. Häufig wird am Ufer ein Damm oder Wall von Meeressand aufgeworfen, welcher zur Zeit der höchsten Flut vom Meere überflutet wird. In der Zwischenzeit von einer Flut zur andern wird der Sand theilweise trocken und bedeckt sich an der Oberfläche mit einer Efflorescenz von Seesalz. Nur der vollkommen trockene Sand wird gesammelt und zwar täglich zwei bis drei Mal an der nämlichen Stelle. Die heissen Sommertage sind für das Sammeln des Sandes am günstigsten. Um den Sand auszulaugen, werden hölzerne Kästen angewendet, deren Böden aus schwachen Brettern bestehen, die man mit Strohschichten bedeckt. Die Kästen werden mit dem salzhaltigen Sand gefüllt und über denselben in jeden Kasten Seewasser gegossen. Indem dasselbe durch den Sand sickert, erhält es ein specifisches Gewicht von 1,14 bis 1,17. Die Dichte dieser Soole wird mit Hülfe dreier Wachskugeln bestimmt, die mit Blei belastet sind. Die Salzsieder zu Avranchin halten Soole von 1,16 specifischem Gewicht für die zum Abdampfen am meisten sich eignende. Das Wasser wird in flachen viereckigen Bleipfannen eingesotten. Während des Siedens wird fleissig abgeschäumt und von Zeit zu Zeit neues Salzwasser nachgefüllt, bis das Salz sich krystallisch auszuscheiden beginnt. Ist dieser Zeitpunkt gekommen, so setzt man noch eine kleine Menge Salzwasser hinzu, um die Bildung von neuem Schaum zu bewirken, welchen man wieder entfernt. Hierauf wird unter fortwährendem Umrühren die Masse zur Trockne gebracht. Die so[179] erhaltene fein zertheilte, aber höchst unreine Masse wird in einem Korb über der Siedepfanne aufgehängt. Durch die Einwirkung der Wasserdämpfe werden die zerfliesslichen Salze — Chlormagnesium und Chlorcalcium — zum grössten Theile entfernt. Darauf bringt man das Salz in ein Magazin, dessen Boden aus durch Auslaugen gereinigtem, trocknem und festgestampftem Sand besteht. Hier vollendet sich die Reinigung des Salzes von den zerfliesslichen Salzen, wodurch es noch gegen 20 bis 28 Proc. an Gewicht verliert. Das so erhaltene Salz ist weiss und sehr rein. 700 bis 800 Liter Salzwasser liefern, je nach dem Salzgehalt des angewendeten Sandes, 150 bis 225 Kilogr. Salz.
Zu Ulverstone in Lancashire wendet man jetzt noch ein Verfahren zur Gewinnung des Seesalzes aus dem Meerwasser an, welches dem französischen sehr ähnlich ist. Eine andere Methode ist zu Lymington an der Küste von Hampshire, so wie auf der Insel Wight gebräuchlich; sie besteht darin, das Seewasser durch natürliche Verdampfung etwa bis zu ⅙ des ursprünglichen Volumens zu concentriren und die erhaltene Soole in gewöhnlicher Art in Pfannen zu verdampfen. Das Concentriren geschieht in den sogenannten Sonnenwerken oder Auswerken, welche mit den gewöhnlichen Salzgärten übereinstimmen und sich von diesen nur dadurch unterscheiden, dass das concentrirte Meerwasser nicht bis zur Ausscheidung des Salzes in den Bassins stehen bleibt. In und bei Liverpool gewinnt man den Salzgehalt des Meerwassers auf die Weise, dass man sich desselben zum Auflösen des zu raffinirenden Steinsalzes bedient. Das Vortheilhafte dieses Verfahrens ist einleuchtend, wenn man erwägt, dass dabei mindestens noch 2,3 Proc. Kochsalz aus dem Meerwasser gewonnen werden können. An der Ostküste Englands gestattet es der niedrige Preis der Steinkohlen, das Meerwasser durch unmittelbares Versieden auf Kochsalz zu benutzen, ohne es vorher durch Verdunstung zu concentriren. Aus den Salzseen (vergl. Seite [176]) scheidet sich während der heissen Jahreszeit Salz mitunter in so grosser Menge ab, dass es wie eine Kruste den Boden bedeckt. Der Eltonsee allein liefert jährlich auf diese Weise 20 Millionen Kilogr. Salz. Enorme Mengen Salz werden ferner aus dem merkwürdigen Salt-Lake im von den Mormonen bewohnten Territorium Utah in Nordamerika gewonnen.
Gewinnung des Steinsalzes.
Das Steinsalz ist sehr häufig von Anhydrit, Thon und Mergel begleitet. Nicht selten findet sich das Steinsalz in unregelmässigen stockförmigen Massen eingeschlossen, welche im Wesentlichen aus Thon bestehen (Salzthon); oder es werden die Salzmassen durch Mergellager (Haselgebirge) eingeschlossen und von anderen Gebirgsarten getrennt. Im Steinsalze selbst befinden sich zuweilen andere Mineralien abgesondert, so z. B. der Brongniartin (Na2SO4 + CaSO4) bei Villarrubia in Spanien, und die merkwürdigen Mineralien des Steinsalzlagers in Stassfurt. Das Steinsalzlager bei Stassfurt ist mit einer Decke von bitteren, bunten und zerfliesslichen Salzen, sogenanntem Abraumsalz (aus 55 Proc. Carnallit, Sylvin und Kainit, 25 Proc. Kochsalz, 16 Proc. Kieserit und 4 Proc. Chlormagnesiumhydrat bestehend), in einer Dicke von nahezu 65 Meter versehen, welches über 12 Proc. Kali enthält und dadurch für die Technik als neue und überaus wichtige Kaliquelle auftritt.
Die Zusammensetzung des Steinsalzes zeigt sich aus folgenden Analysen:
| I. | II. | III. | IV. | V. | VI. | |
| Chlornatrium | 100,00 | 99,85 | 99,92 | 99,43 | 99,14 | 99,63 |
| Chlorkalium | — | — | — | — | Spur | 0,09 |
| Chlorcalcium | — | Spur | — | 0,25 | Spur | 0,28 |
| Chlormagnesium | Spur | 0,15 | 0,07 | 0,12 | — | — |
| Calciumsulfat | — | — | — | 0,20 | 1,86 | — |
| 100,00 | 100,00 | 100,00 | 100,00 | 100,00 | 100,00 |
I. Weisses Steinsalz von Wieliczka, II. weisses und III. gelbes Steinsalz von Berchtesgaden, IV. von Hall in Tyrol, V. Knistersalz von Hallstadt, VI. Steinsalz von Schwäbischhall.
Das sogenannte Knistersalz, welches zu Wieliczka in krystallinisch-körnigen Massen vorkommt, hat die Eigenthümlichkeit, bei der Auflösung in Wasser unter kleinen Detonationen Gas zu entwickeln. Die mikroskopischen Höhlen, in denen sich das Gas eingeschlossen befindet, erleiden allmälig in dem Maasse, als das Salz sich löst, eine Verdünnung ihrer Wände, die das Gas sehr bald befähigt, die Wände unter Explosion zu durchbrechen und zu entweichen. Das entweichende Gas ist entzündlich. Es besteht aus comprimirten Kohlenwasserstoffgasen, welche, wenn das Knistersalz von unterirdischen Wassern aufgelöst, zum Theil als Gas zum Ausströmen gelangen, theils im verdichteten Zustande als Petroleum oder Bergöl ausfliessen. Beachtenswerth ist, wie schon oben[180] erwähnt, das gleichzeitige Vorkommen von Petroleum und Steinsalz an vielen Orten. Die im Stassfurter Steinsalzlager sich findenden Mineralien sind nach F. Bischof, Reichardt, Zincken u. A. folgende:
| Chemische Formel. | In 100 Gewichtstheilen sind enthalten: | Spec. Gewicht d. Verbindung. | 100 Gewichtstheile Wasser lösen bei 18¾°C. | Synonyma und Bemerkungen. | ||||||||
| Anhydrit | CaSO4 | 100 | Calciumsulfat. | 2,968 | 0,20 | Karstenit. | ||||||
| Boracit | B16O30Cl2Mg7 | 26,82 | Magnesia. | 2,91 | fast unlöslich. | Stassfurtit. | ||||||
| 62,57 | Borsäure. | |||||||||||
| 10,61 | Chlormagnesium. | |||||||||||
| Carnallit | KMgCl3 + 6H2O | 26,76 | Chlorkalium. | 1,618 | 64,5 | Enthält Brom. | ||||||
| 34,50 | Chlormagnesium. | |||||||||||
| 38,74 | Wasser. | |||||||||||
| Eisenglimmer | Fe2O3 | 100 | Eisenoxyd. | 3,35 | unlöslich. | Eisenglanz. | ||||||
| Eisenrahm. | ||||||||||||
| Kieserit | MgSO4 + H2O[38] | 87,10 | Magnesiumsulfat. | 2,517 | 40,9 | Martinsit? | ||||||
| 12,90 | Wasser. | |||||||||||
| Polyhalit | 2CaSO4 MgSO4 K2SO4 2H2O | 45,18 | Calciumsulfat. | 2,720 | zersetzt sich bei der Auflösung. | |||||||
| 19,93 | Magnesiumsulfat. | |||||||||||
| 28,90 | Kaliumsulfat. | |||||||||||
| 5,99 | Wasser. | |||||||||||
| Steinsalz | NaCl | 100 | Chlornatrium. | 2,200 | 36,2 | |||||||
| Sylvin | KCl | 100 | Chlorkalium. | 2,025 | 34,5 | Schätzellit. | ||||||
| Hövelit. | ||||||||||||
| Leopoldit. | ||||||||||||
| Tachhydrit | CaCl2 2MgCl2 12H2O | 21,50 | Chlorcalcium. | 1,671 | 160,3 | |||||||
| 36,98 | Chlormagnesium. | |||||||||||
| 41,52 | Wasser. | |||||||||||
| Kainit | K2SO4 MgSO4 MgCl2 6H2O | 36,34 | Kaliumsulfat. | Enthält Brom. | ||||||||
| 25,24 | Magnesiumsulfat. | |||||||||||
| 18,95 | Chlormagnesium. | |||||||||||
| 19,47 | Wasser | |||||||||||
| Schönit oder Pikromerit | K2SO4 MgSO4 6H2O | 43,18 | Kaliumsulfat. | |||||||||
| 29,85 | Magnesiumsulfat. | |||||||||||
| 26,97. | Wasser | |||||||||||