Die Zersetzung der Gaskohle lässt sich durch folgendes Schema veranschaulichen: 100 Th. Steinkohle bestehend aus

Kohlenstoff78,0geben
Wasserstoff4,0
Stickstoff1,5Koks 70–75
Schwefel0,8Leuchtgas 30–25
chem. gebundenem Wasser5,7Theer
hygroskop. Wasser5,0Ammoniakwasser
Asche5,0 100,0
100,0

Produkte der Kohlendestillation.

Die Bestandtheile der vier Produkte der Kohlendestillation sind folgende:

I. Koks.Kohlenstoff90–95
Schwefeleisen (Fe7S8)10– 5
Erdige Bestandtheile
100,0
II. Ammoniakwasser.HauptbestandtheileKohlensaur. Ammon2(NH2)2CO3 + CO2
Schwefelammon(NH4)2S
Accessorische BestandtheileChlorammonNH4Cl
CyanammonNH4CN
SchwefelcyanammonNH4CNS
III. Theer.KohlenwasserstoffeflüssigeBenzolC6H6
ToluolC7H8
XylolC8H10
CumolC9H12
CymolC10H14
PropylC3H7
ButylC4H9 u. s. w.
festeNaphtalinC10H8
AcetylnaphtalinC12H10
Fluoren (?)
AnthracenC14H10[179]
MethylanthracenC15H12
RetenC16H12
ChrysenC18H12
PyrenC16H10
SäurenCarbolsäureC6H60
Kresylsäure (Cresol)C7H80
Phlorylsäure (Phlorol)C8H100
RosolsäureC20H1603
OxyphensäureC6H602
Kreosot,bestehend
aus den drei
homologen Körpern
C7H802Verbindungen der
Oxyphensäure
und damit homologer
Säuren mit Methyl.
C8H1002
C9H1202
BasenPyridin C8H5NLeukolin C9H7NCoridin C10H15N
Anilin C6H7NIridolin C10H9NRubidin C11H17N
Picolin C6H8NCryptidin C11H11NViridin C12H19N
Lutidin C7H9NAcridin C12H9N
Collidin C8H11N
Asphalt bildende BestandtheileAnthracen
Brandharze
Kohle
IV. Leuchtgas.α) Leuchtende Bestandtheile oder LichtgeberGaseAcetylenC2H2
ElaylC2H4
TritylC3H6
DitetrylC4H8
DämpfeBenzolC6H6
StyrolenC8H8
NaphtalinC10H8
AcetylnaphtalinC12H10
Fluoren ?
PropylC3H7
ButylC4H9
β) Verdünnende Bestandtheile oder LichtträgerWasserstoffH2
MethylwasserstoffCH4
KohlenoxydCO
γ) Verunreinigende BestandtheileKohlensäureCO2
AmmoniakNH3
CyanCN
SchwefelcyanCNS
SchwefelwasserstoffSH2
Geschwefelte Kohlenwasserstoffe,
ferner auch Schwefelkohlenstoff
S2C
StickstoffN

Die Bereitung des Kohlengases.

Die Bereitung des Leuchtgases aus Kohlen (ebenso wie die aus anderen Materialien wie Holz, Harz, Oel u. dergl.) geschieht in drei auf einander folgenden Operationen, diese sind a) die Darstellung des rohen Leuchtgases durch Destillation der Steinkohlen in Retorten; b) die Verdichtung des grössten Theiles der flüssigen Destillationsprodukte in besonderen Condensationsapparaten; c) die Reinigung der gasigen Produkte von allen die Leuchtkraft und andere Eigenschaften des Gases beeinträchtigenden Bestandtheilen.

Retorten.

a) Die Darstellung des rohen Leuchtgases. Die Darstellung des rohen Leuchtgases geschieht durch trockene Destillation der Steinkohlen, hierzu gehört Glühhitze einerseits und andererseits möglichster Abschluss der Luft. Die Erfüllung dieser beiden Bedingungen, an welche der Vorgang bei der trockenen Destillation ganz besonders geknüpft ist, führte zur Construction derjenigen Apparate, in welchen man die Destillation der Kohle ausführt. Diese Destillationsapparate, deren sich die Gastechnik zur Gasbereitung bedient, heissen Retorten. Die ersten Leuchtgasretorten waren Cylinder von Gusseisen. Der Umstand aber, dass sich die eisernen Retorten zu leicht abnutzten, auch kostspielig in der Anschaffung waren, gab die Veranlassung der Einführung der thönernen Retorten, die man (wie die Charmotte-Gasretorten) mit oder ohne Porcellanglasur darstellt. Was die Dimensionen derselben betrifft, so verwendet man meist solche, welche ungefähr 100 Kilogr. Kohlen zu fassen vermögen und von diesem Quantum etwa zur Hälfte bis zu 0,6 des inneren Raumes angefüllt werden. Derartige Retorten haben in der Regel 54 Centimeter Durchmesser der grossen, 43 bis 45 Centimeter Durchmesser der kleinen Axe und eine Länge von 2,5–3 Meter. An dem Ende ist die Retorte meist durch eine feste, senkrecht auf die Länge stehende Wand, seltener gewölbeartig geschlossen.

In London bedient man sich neuerdings zur Destillation der Kohlen eigenthümlicher Retorten, die weder von Eisen sind, noch von Thon, auch nicht aus einem Stück, sondern aus einzelnen nach dem Modell der Retorten geformten Steinen oder Plattenstücken aus einem feuerfesten Material, den Dinasteinen (vergl. S. [375]) aufgemauert sind. Diese Steine bestehen aus einem feuerfesten Sand (fast reinem Quarzsand) welchen man nach dem Zerkleinern und Anfeuchten mit 1 Proc. Kalk mengt, zu Platten presst, trocknet und brennt. Als Mörtel beim Aufbauen der Retorten aus Dinasteinen benutzt man einen eisenhaltigen, im Gasofenfeuer etwas erweichenden oder sinternden Thon. Genannte Retorten sind bedeutend wohlfeiler als die Retorten aus einem Stück und sollen nach der Erfahrung der Ingenieure der Chartered-Gas-Company bis zu fünf Jahren stehen. Ausser den Retorten von Gusseisen, Dinasteinen und Thon hat man auch deren aus genietetem Eisenblech; sie sind von der Form flacher breiter Backöfen, werden meist einzeln in eine Feuerung gelegt, auf der unteren Seite häufig aus einer gusseisernen Platte bestehend und mit Backsteinen armirt.