Nach dem verschiedenen Zersetzungsgrade unterscheidet man mehrere Varietäten der Braunkohle: 1) die fasrige Braunkohle (fossiles oder bituminöses Holz, Lignit) von dem Ansehen des Holzes, in dem nicht selten Stamm-, Ast- und Wurzelstücke deutlich erkennbar sind; 2) die gemeine Braunkohle bildet derbe spröde Massen von muscheligem Bruche. Bei glänzendem Bruche nennt man sie Gagat; 3) die erdige Braunkohle oder Erdkohle ist, wie schon ihr Name andeutet, eine mit erdigen Substanzen gemengte dunkelbraune Braunkohle. Zur Theerschwelung (für Solaröl und Paraffin) geeignete Braunkohle findet sich in Deutschland besonders in Preussen (bei Weissenfels und Zeitz, Oschersleben, Saarau in Schlesien) und im Königreich Sachsen (in der Nähe von Borna), sie führt den Namen „Schmierkohle“.
Sehr häufig findet sich in den Braunkohlen Schwefelkies (und zwar die rhombische Varietät als Vitriolkies). Ist in derselben die Menge der kiesigen und erdigen Bestandtheile überwiegend, so entsteht daraus die Alaunerde, mit welchem Namen auch ein mit Bitumen und Schwefelkies gemengter Thon bezeichnet wird. Der Aschengehalt der Braunkohlen ist ein sehr verschiedener. Im Durchschnitt lässt sich der Aschengehalt der Braunkohlen zu 5–10 Proc. annehmen. Die Asche besteht wesentlich aus Thonerde, Kieselerde, Kalk, Magnesia, Eisen- und Manganoxyd. Das hygroskopische Wasser kann bei frisch geförderten Kohlen bis zu 50 Proc. steigen, beträgt aber im lufttrocknen Zustande durchschnittlich 20 Proc., so dass, wenn man den allerdings sehr schwankenden Aschengehalt unberücksichtigt lässt, lufttrockne Braunkohle etwa zusammengesetzt ist aus
| Kohle | 48–56 | Proc. |
| Wasserstoff | 1–2 | „ |
| chemisch gebundenem Wasser | 31–32 | „ |
| hygroskopischem Wasser | 20 | „ |
Die Brennbarkeit der Braunkohle ist geringer als die des Holzes, ihre Flammbarkeit steht zwischen der des Holzes und der Steinkohle. Die Braunkohlen geben im Allgemeinen folgenden Wärmeeffect:
| Absol. | Specif. | Pyrom. | |||||||||||
| Lufttrockne | faserige | Braunkohle | mit | 20 | Proc. | hygrosk. | Waser | und | ohne | Asche | 0,43 | 0,55 | 1800 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,43 | — | — |
| „ | erdige | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | ohne | „ | 0,61 | 0,79 | 1975 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,55 | — | — |
| „ | muschelige | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | ohne | „ | 0,69 | 0,88 | 2050 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,62 | — | — |
| Gedarrte | faserige | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | ohne | „ | 0,61 | — | 2025 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,55 | — | — |
| „ | erdige | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | ohne | „ | 0,76 | — | 2125 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,69 | — | — |
| „ | muschelige | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | ohne | „ | 0,85 | — | 2200 |
| „ | „ | „ | „ | 20 | „ | „ | „ | „ | 10 Proc. | „ | 0,76 | — | — |
Aus dieser Tabelle geht hervor, dass lufttrockne Braunkohlen gedarrtes Holz an absolutem und pyrometrischem Wärmeeffect und an specifischem Wärmeeffect das beste Holz um mehr als das Doppelte übertreffen.
Die Verdampfungskraft der Braunkohlen ist folgende:
| Wasser. | Asche. | Verdampfungskraft. | ||||
| Böhm. Braunkohle | 28,7 | Proc. | 10,6 | Proc. | 5,84 | Kilogr. |
| Bituminöses Holz | 23,7 | „ | 3,9 | „ | 5,76 | „ |
| Erdkohle | 47,2 | „ | 4,8 | „ | 5,55 | „ |
| Stückkohle | 47,7 | „ | 3,1 | „ | 5,08 | „ |
Anwendung der Braunkohle.