Meine Unrast aber und meine Verzweiflung schreit tausend trübe Fragen in mich selbst hinein, wieder und wieder, ihrer selbst gewiß zu werden und ihres endlosen Wandels, und sich zu finden, immer von neuem, in einer stillen, gefriedeten Einheit.

Meine Unrast aber seid ihr. Meine Unrast bin ich als das ewig und unendlich Vielfältige: als Elemente, Sonnen, Pflanzen, Tiere, Menschen und alle Wesen und Seelen: dies alles und seine unermeßlich zahllosen Einzelheiten und ihre unermeßlich zahllosen Schicksale.

Das alles schreit in mich hinein, findet Antwort und keine, findet ewig Antwort und als seligste Antwort ewig schweigende Ruhe.

Denn aus dem dunklen Urgrund meiner Ruhe und Nichtigkeit tönt ewig und ewig als Antwort auf die wilde Sehnsucht ewiger Frage ihr ewig gleicher Widerhall und nichts, nichts als ihr Widerhall.


Denn dann, wenn je und je am wildesten die alte Frage gellt und an dem uralten, mystischen Geheimnis rüttelt, dann – Frage und Antwort zugleich – tönt sie zurück aus den dunklen Weltenfernen ewigen Lichtes und ewiger Gewißheit, und einer wird geboren, der ihr Mund ist: einer, der ist der ewig Wiedergeborene, der Stille, unter dem ewigen Mysterium Duldende, in dem Endliches und Unendliches offenbar wird als das eine, das ewig liebend sich selbst umschließt.

Wo aber in aller Welt je und je er hineingeboren wird in die Endlichkeit, da erhebt sich ein neuer Tag und eine neue Zuversicht. Da jubelt die Freude, da lächelt der Friede, und da rüstet sich ein neuer, junger, todesmutiger Wille und hat eine neue Bahn und ein neues Ziel endloser Betätigung.


Das ist all meine Nichtigkeit, mein Stolz und meine hohe Würde. Denn wenn ich ein Wort vom Frieden weiß, so ist es nichts als eures Unfriedens Widerhall und die irre Frage eurer Verzweiflung. Die tön ich zurück, zu meinem Teil, in ewig stiller Gelassenheit; einer, der treu, schlicht, hingegeben hört, aufnimmt, zusammenfaßt, und der wiedergibt: treu, schlicht, hingegeben.