Drüben an der Mauer liegt Bornschein, der Böttcher, wieder einmal stockbetrunken. Der Länge nach liegt er unter dem Fliederbusch und die Nachmittagssonne brennt auf seine Kleider.

Die Nachbarn stehen im Kreis um ihn herum, schütteln die Köpfe, schwatzen, lachen, haben ihre Unterhaltung und machen ihre Glossen. Reger ist die liebe Jugend. Sie haben Kiesel und Steine zusammengetragen und werfen nach seinem Bauch und seinen Beinen. Die ganze sonnenstille Gasse schallt von ihrem Eifer.

O Phantasie!

Ich bin Bornschein. Mein Gesicht ist breit und gedunsen, mit borstigem Bart und Kopfhaar, und glüht von Sonne und Alkoholdunst. Und Sonne und Alkohol glühen durch den seligen Dusel meines Rausches und lallen aus mir heraus mit dumpfen dunklen Worten in eine wogende flimmernde Welt von wunderlich verworrenen Gestalten und Lauten.

Meine armen thörichten Atome lechzen nach Kühlung. Langsam, automatisch regt sich ein Arm, zuckt ein Bein, von einem Kiesel getroffen.

Kühlung! Wie ein fernes Bedürfnis ist es in mir, ein Bedürfnis meiner klugen Sinne, meines Lebenswillens, von dem meine Seele doch fern ist. Ein Bedürfnis und keins...

Aber wie ich hier oben zwischen den roten Geranien hindurch zu mir da drüben hinüberluge, schreit meine arme Seele nach Wasser, nach Wasser...

O ewige Vernunft!

Drüben öffnet sich die Thür, schadenfroh und flachshaarig tritt ein lachendes Mitleid mit einem vollen, triefenden Wassereimer auf die Straße. Friedrich, der Hausknecht vom „goldenen Adler“.