In Salona, Dalmatien, hat vor nicht so langer Zeit eine Ausgrabungs-Expedition eine solche Taufkapelle bloßgelegt, welche noch aus der Zeit Diokletians (284–305), des grausamen Christenverfolgers, stammt, der in einem Edikt vom 24. Februar 303 die Niederreißung der Kirchen befahl.
Cyrill von Jerusalem (gest. 386) vollzieht die Taufe an seinen Neubekehrten in einer solchen Taufkapelle. Er erwähnt dies in seiner ersten mystagogischen Katechese, Kap. 2: „Zuerst ginget ihr in die Vorhalle des Taufhauses; dort standet ihr gegen Sonnenuntergang gewendet und horchtet auf; und es ward euch befohlen, die Hände auszustrecken und dem Satan, als wäre er gegenwärtig, zu widersagen.“ „Und ihr bekanntet,“ lesen wir in seiner zweiten Unterweisung, Kap. 4, „das heilsame Bekenntnis und wurdet in das Wasser getaucht.“ Das Baptisterium erwähnen noch Chrysostomus, Ambrosius, Augustin u. a. m.[125]
Einige dieser Taufkirchen waren so groß und geräumig, daß Synoden und Kirchenversammlungen in denselben gehalten werden konnten. „Man kann sich auch von ihrer Größe schon daraus eine Vorstellung machen,“ schreibt Dr. Augusti, „wenn man weiß, daß an manchen Orten, wie z. B. in Antiochien, zuweilen in einer Vigilien 3000 Personen beiderlei Geschlechts die Taufe empfingen.“[126] Dr. Brenner führt aus: „Das Wasserbassin oder das eigentliche Baptisterium ist zuweilen von beträchtlichem Umfange und ansehnlicher Tiefe, in dem ein Knäbchen, welches jemand bei andringender Volksmenge in das von Papst Damasus (gest. 384) erbaute Baptisterium hatte fallen lassen, erst nach einer Stunde aufgefunden werden konnte.“[127] Der christliche Dichter Dante (1265–1321) erzählt in seiner „Hölle“ von einem ähnlichen Vorfall. Er rettete nämlich ein Kind, welches in das Baptisterium zu St. Johannes in Florenz gefallen war, vom Ertrinken.[128]
Ruine einer Taufkapelle zu Salona.
Falls heutzutage ein Kind das Unglück haben sollte, in einen modernen Taufbehälter zu fallen, welche, wie schon oben angeführt, nach gänzlichem Aufheben des Untertauchens an die Stelle jener tiefen und umfangreichen Baptisterien kamen, so würde es sicherlich nicht in Gefahr sein, sein Leben durch Ertrinken zu verlieren, und man würde auch wohl keine „ganze Stunde“ dazu nötig haben, um das „verunglückte“ Kindlein darin aufzufinden. Die Taufbecken, die man heute in den Kirchen vorfindet, sind eng und flach, und bei der Ausführung der Besprengung ist nur eine geringe Quantität Wasser darin vorhanden. Dies bestätigt auch Dr. Brenner, indem er schreibt: „Jetzt sind die Taufbrunnen so flach und eng, daß man in denselben auch einem neugebornen Kinde die Taufe durch Untertauchen nicht mehr erteilen könnte. Nun haben die Taufbrunnen keine andere Umgebung als die Kirchenmauern; hölzerne oder metallene Deckel verschließen sie; niedere Geländer fassen sie ein, und in ihrer geringen Höhlung steht ein totes Wasser. Jetzt fordert und erhält jedermann die Erlaubnis, ohne alle Not, seine Stube als Kirche oder Oratorium und seine Schüssel als Baptisterium zu gebrauchen.“[129]
Im Mittelalter.
Selbst durch das dunkle Mittelalter, das ist die Zeit vom Untergang des weströmischen Reiches 476 bis zum Beginn der Reformation im Jahre 1517, lassen sich die Spuren verfolgen, wo die Taufe, wenn auch nicht mehr ganz in ihrer biblischen Reinheit, so doch noch vielfach durch Untertauchen verrichtet wurde. So wird z. B. von Papst Gregor dem Großen (590–604) das Untertauchen ausdrücklich vorgeschrieben. Diese Anordnung Gregors zitiert Dr. Brenner in seiner „Geschichte der Taufe“, S. 32.
Auch in der spanischen Kirche vollzog man die Taufe durch völliges Untertauchen; doch wich man von der in der Zeit schon herrschenden Sitte der dreimaligen Untertauchung, welche übrigens ja auch vollständig unbiblisch ist, ab und tauchte seit den Tagen Leanders, Bischof von Sevilla (gest. 597), den Täufling nur einmal unter, „um dadurch,“ wie Dr. Brenner bemerkt, „seinen Abscheu gegen die Arianer an den Tag zu legen, welche die dreimalige Untertauchung dazu mißbrauchten, um die drei verschiedenen Naturen der drei Personen in der Gottheit auszudrücken. Dies einmalige Untertauchen wird von Papst Gregor dem Großen gutgeheißen.“[130]
Die abessinische Kirche vollzieht die Taufe bis auf den heutigen Tag durch Untertauchen.[131]