[108] Das unter die Dornen gesät ist, das ist, wenn jemand das Wort Gottes hört, und der Betrug des Reichtums erstickt das Wort, und er bringt nicht Frucht (Matth. 13, 22).
Achtes Kapitel.
Nach großer Freude eine schwere Verirrung.
Auf ihrem Wege kamen nun die Pilger an einen herrlichen Strom. Der König David nennt ihn Gottes Brünnlein[109] und Johannes den Strom des lebendigen Wassers[110]. Der Weg zog sich gerade am Ufer dieses Stromes entlang. Hier wanderten Christ und sein Gefährte mit großer Wonne, und durch jeden Trunk aus diesem Wasser des Lebens ward ihr ermatteter Geist sehr erquickt. Auf beiden Seiten des Stromes standen Fruchtbäume aller Art, deren Blätter das Blut der erhitzten Wanderer kühlten. Grüne, das ganze Jahr mit Lilien prangende Wiesen begleiteten den Strom, hier konnten sich die Pilgrime zum Schlafe niederlegen und im Frieden ruhen[111]. Wachten sie auf, so aßen sie von den Früchten der Lebensbäume und tranken von dem Wasser des Stromes. Das taten sie viele Tage und Nächte. Dabei sangen sie:
Wie herrlich ist’s, ein Schäflein Christi werden
Und in der Huld des treusten Hirten stehn!
Kein höhrer Stand ist auf der ganzen Erden,
Als unverrückt dem Lamme nachzugehn.