Barmherzig. Aber wie erlange ich die Gewißheit, daß ich auch angenommen werde? O daß sich jemand fände, der hierüber Auskunft geben könnte; ich würde mich keinen Augenblick besinnen, sondern mit Hilfe dessen, der helfen kann, mit dir durch dick und dünn gehen.

Christin. Nun wohl, geliebte Barmherzig, so will ich dir sagen, was du tun sollst: Gehe mit mir nach der engen Pforte[161], und dort will ich mich deinetwillen weiter erkundigen. Und wenn dir da keine Ermutigung zuteil wird, so will ich mich damit zufrieden geben, daß du an deinen Ort zurückkehrst. Auch will ich dir deine Liebe vergelten, die du mir und meinen Kindern erweisest, indem du uns auf unserm Weg begleitest.

Barmherzig. So will ich denn hingehen und hinnehmen, was weiter kommt, und der Herr gebe gnädiglich, daß mein Los so falle, daß der König des Himmels Sein Herz zu mir neige.

Hierüber war Christin von Herzen froh, nicht nur, daß sie eine Gefährtin hatte, sondern auch, daß sie dieses arme Mädchen bewogen hatte, für ihr Seelenheil zu sorgen. So gingen sie denn zusammen weiter, Barmherzig aber fing an zu weinen.

Da fragte Christin: „Warum weinst du, liebe Schwester?“

„Ach,“ sagte sie, „wer kann anders als wehklagen, wenn man recht erwägt, in welcher Lage und in welchem Zustand meine armen Verwandten sich befinden, die noch in unsrer sündenvollen Stadt verbleiben? Und was meinen Kummer noch größer macht, ist, daß niemand sie unterrichtet und auf die drohende Gefahr hinweist.“

Christin. Mitleiden steht den Pilgrimen wohl an, und du empfindest für deine Angehörigen, was mein guter Christ für mich empfand, als er mich verließ. Er trauerte darüber, daß ich ihn nicht hören noch auf ihn achten wollte. Aber sein und unser Herr hat seine Tränen gesammelt und sie in Seinem Krug verwahrt[162], und nunmehr ernten du und ich und diese meine geliebten Kinder die Frucht und den Segen davon. Glaube mir, Barmherzig, deine Tränen werden nicht umsonst sein, denn die ewige Wahrheit spricht: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben“ (Ps. 126, 5. 6).

Barmherzig sprach:

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;

Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?