Sechstes Kapitel.
Im Tal der Demut und der Todesschatten.
Bald hatten sie die Höhe des Berges erreicht, da blieb Gottesfurcht plötzlich sinnend stehen und rief aus: „Ach, ich habe vergessen, was ich Christin und ihrem Gefährten mitgeben wollte; ich will zurückgehen und es holen.“ Also lief sie, um es zu holen. Als sie fort war, dünkte es Christin, als höre sie aus einem Wäldchen, das zur rechten Hand ein wenig abseits lag, eine wunderbare Melodie ertönen; sie lauschte und glaubte folgende Worte zu verstehen:
Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;
Das zähl’ ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit!
Und während sie noch horchte, kam es ihr vor, als ob eine andre Stimme der ersten antwortete:
Dies laß ich kein Geschöpf mir rauben, dies soll mein einzig Rühmen
sein.
Auf dies Erbarmen will ich glauben; auf dieses bet’ ich auch allein;