Der Weg führte nun über eine kleine Anhöhe, die zu dem Zweck aufgeworfen war, damit die Pilger hier einige Aussicht hätten. Es war derselbe Hügel, von wo aus einst Christ seinen Freund Getreu erblickte. Allda hielten sie kurze Rast, aßen und tranken von dem, was sie bei sich hatten, und ihre Herzen waren voll Lob und Dank gegen Gott ob all Seiner herrlichen Durchhilfe.

„Herr Mutherz,“ redete Christin den Führer an, „hast du aus dem Kampf mit dem Riesen keine Verletzung davon getragen?“

„Nein,“ antwortete er, „außer einer kleinen Wunde habe ich keinen Schaden erlitten. Sie soll mir als Ehrenzeichen gelten, und ich freue mich, daß ich meiner Liebe zu meinem Herrn Ausdruck verleihen durfte, indem ich mein Leben für euch aufs Spiel setzte. Ich weiß, es wird mir dies auch nicht unbelohnt bleiben.“

Christin. Aber, lieber Herr, ist dir denn gar nicht bange geworden, als du ihn mit seiner Keule herankommen sahst?

Mutherz. Ich habe gelernt, von meiner eigenen Kraft ganz abzusehen und allein auf den meine Zuversicht zu setzen, der stärker ist als alle.

Christin. Aber wie war dir zumute, als er dich mit dem ersten Hieb zu Boden brachte?

Mutherz. Nun, ich dachte, daß meinem Herrn dasselbe widerfahren sei, und daß Er dennoch zuletzt überwunden habe[198].

Matthäus. Was du auch gedacht haben magst, das eine ist gewiß, daß Gottes Güte sich wunderbar an uns erwiesen hat, indem Er uns aus der Hand unsrer Feinde errettet und uns wohlbehalten aus diesem Tal herausgebracht hat. Nein, angesichts solcher Tatsachen sehe ich wahrlich keinen Grund, warum wir je an Gottes Liebe zweifeln sollten.

Die Pilger brachen nun wieder auf und zogen weiter. Sie kamen bald an einer Eiche vorüber, unter der sie einen alten Pilger in tiefem Schlaf fanden. Daß er ein Pilger war, erkannten sie an seinem Kleid, Gürtel und Stab. Der Führer weckte ihn auf. Der alte Herr fuhr aus seinem Schlaf und rief: „Was gibt’s? Wer seid ihr? Was wollt ihr hier?“