Redlich. So ist der, welcher ihr Bild entworfen hat, ein Künstler gewesen, und der, welcher von ihr geschrieben, hat die Wahrheit gesagt.

Mutherz. Dieses Weib ist eine Zauberin, und eben durch die Kraft ihrer Zauberkunst ist diese Gegend bezaubert. Wer sein Haupt in ihren Schoß legt, der kann es ebensogut auf den Block des Scharfrichters legen; und wer seine Augen auf ihre Schönheit heftet, der wird für Gottes Feind geachtet[234]. Sie ist es, welche alle diejenigen in hohem Ansehen erhält, die Feinde der Pilger sind. Ja, sie ist es, die schon manchen Pilger mit ihrem Geld bestochen und von seinem Weg abgebracht hat. Sie ist eine gewaltige Schwätzerin. Sie wie auch ihre Töchter schleichen jederzeit dem einen oder andern Pilger nach, ihm die Herrlichkeiten dieses Lebens anpreisend und anbietend. Sie ist eine freche, schamlose Person und will mit jedermann anbinden. Die armen Pilger verlacht sie stets mit Hohn und erhebt dagegen die Reichen hoch (lies Jakobus 5, 1-6). Geht jemand darauf aus, reich zu werden, von dem redet sie wohl von Haus zu Haus. Schmausereien und Gastereien liebt sie sehr und findet sich gern da ein, wo eine voll besetzte Tafel ist. Schon an manchen Orten hat sie sich für eine Göttin ausgegeben und wird deshalb von vielen angebetet. Sie hat ihre gewissen Zeiten, wo sie mit ihren Betrügereien öffentlich auftritt, und sie behauptet, daß keine andern Schätze mit den ihren zu vergleichen seien. Sie verspricht, bei Kindern und Kindeskindern zu bleiben, sofern man sie nur lieben und hochachten wolle. Sie will Gold wie Staub aus ihrer Börse werfen an gewissen Plätzen und für gewisse Leute. Sie hat’s gern, wenn man sie aufsucht, wohl von ihr redet, und liegt gern an jemandes Busen. Sie wird nie müde, ihre Herrlichkeiten anzupreisen, und wer das beste von ihr denkt, den liebt sie am meisten. Sie verheißt Kronen und Königreiche, wo man nur ihrem Rat folgt, und doch hat sie viele an den Galgen und zehntausendmal mehr in die Hölle gebracht.

„O welche Gnade,“ rief Standhaft aus, „daß ich ihr widerstanden habe! Denn wohin würde sie mich wohl geführt haben?“

Mutherz. Wohin? Das weiß Gott allein. Soviel ist gewiß, sie würde dich in viel schädliche und törichte Lüste gezogen haben, welche die Menschen versenken ins Verderben und Verdammnis (1. Tim. 6, 9). Sie war’s, die Absalom gegen seinen Vater aufhetzte und Jerobeam wider seinen Herrn. Sie überredete Judas, seinen Herrn zu verkaufen, und bewog Demas, den Weg der Gottseligkeit zu verlassen. Niemand kann das Unheil aufzählen, das sie gestiftet hat. Sie richtet fortwährend Zwietracht an zwischen Obrigkeiten und Untertanen, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Nachbar und Nachbar, zwischen Mann und Frau, ja im Menschen selber, nämlich zwischen Fleisch und Geist. Darum, lieber Freund Standhaft, mache deinem Namen Ehre und stehe fest!

Unter dem Eindruck dieses Gesprächs hatte sich bei den Pilgern Freude mit Zittern gemischt, doch machten sie schließlich ihrem Herzen Luft und sangen:

Jesus, hilf siegen, Du Fürste des Lebens,

Sieh, wie die Finsternis dringet herein,

Wie sie ihr höllisches Heer nicht vergebens

Mächtig aufführet, mir schädlich zu sein!

Satan, der sinnet auf allerhand Ränke,