Um halb vier warf Brüning die Karten zusammen und zog seine goldene
Uhr:

Massenhaft Zeit noch!—Aber wollen doch lieber gehen…

Er und Nagel standen vor dem Sofa, auf dem Franz noch immer schlief.
Er lag da wie ein Kind, und sein Atem ging still und friedlich durch
die etwas geöffneten Lippen. Sicherlich träumte er jetzt von keiner
Niederlage.

Brüning betrachtete ihn mit fast zärtlichem Lächeln.

—Wie ein junger Gott, was?—Und noch das reine Kind!—Aber wecken wir unseren jungen Sieger!

—Er ist es noch nicht, sagte Nagel und rührte den Schlafenden bei der Schulter.

Franz führ in die Höhe, und sein erster Griff war nach der Uhr.

—Aber wir versäumen das Schwimmen, rief er außer sich, als er sah, daß sie bereits über halb vier zeigte.

Die anderen lachten ihn aus, packten ihn in eine Droschke und fuhren mit ihm zum Fest.—

Die enorme Halle des großen Schwimmbassins der Wasserfreunde war festlich geschmückt. Der weite Raum mit den hohen, gotischen Wölbungen war bis in den letzten Winkel durch die großen, elektrischen Bogenlampen erleuchtet, denn durch die bunten Fensterdrang nur noch das trübe Licht eines frühdunklen Wintertages. Die sonst so kahle Halle war nicht wiederzuerkennen. An der Rückwand hingen von der Decke bis zur Galerie die langen Fahnen der veranstaltenden Vereine herab und verhüllten die weiße Fläche der Mauern mit ihren bunten Farben. An den Langseiten zogen sich von Pfeiler zu Pfeiler in langen Reihen hunderte von winzigen, auf Seile gezogenen Fähnchen in buntem Farbengemisch, und hoch von der Wölbung der Decke hernieder schwebte regungslos über der Mitte des Bassins die mächtige weiße Fahne des "S.-C. B. 1879" mit dem blauen Rande und dem blauen Namenszuge in der linken Ecke. An der Eingangsseite bei dem großen, sechs Meter hohen Sprungbrett spielte—hinter grünem Blattwerk verborgen—die Musik.