IX.
Der Diener kam zurück.
"Gnädige Frau lassen bitten—" schnarrte er.
Aus einer Laube im Hintergründe des Gartens schimmerte ein weißes
Kleid.
Dort, in einem Modejournal blätternd, das sie sichtlich unlustig bei Seite warf, lag in einen Schaukelstuhl hingestreckt eine junge Frau von ungewöhnlicher Schönheit.
Sie blinzelte dem Nähertretenden zu, aber sie machte keine Miene, sich zu erheben.
Erst als er ihr die Hand hinstreckte und lächelnd sagte: "Ich habe deinen Brief erhalten, Clara, und bin selbst gekommen, ihn zu beantworten"—sprang sie mit einem Ruf der Ueberraschung in sichtlicher Verlegenheit auf.
"Nein, wie du dich verändert hast, Franz!" rief sie ein paar Mal; dann aber, nachdem sie sich gesetzt hatten, und während sie ihn mit jener prüfenden Neugier, die nur der Frau eigen ist, musterte, folgte ein Schwall von Fragen, deren Antworten nicht abgewartet wurden, weil sie gestellt waren, ohne daß der Verstand sich etwas bei ihnen dachte und das Herz das Geringste bei ihnen fühlte.
Bei dem ersten Wort, das sie gesprochen, merkte er, daß diese Frau geistig um keinen Schritt weitergerückt war und—ganz wie früher— hörte er gutmütig und geduldig eine Zeit lang ihrer Neugierde zu, beantwortete kaum etwas, und begnügte sich damit, hier und da mit einem Ja oder Nein, oder höchstens einem kurzen Wort sein Schweigen zu unterbrechen.
So kam es, daß sie ihn nach einer halben Stunde nach allem gefragt, aber nichts von ihm erfahren hatte. Später pflegte sie sich dann darüber zu beklagen, daß sie allen Menschen alles, keiner aber ihr etwas erzähle.