Keine Großstadt besaß einen größeren, in seiner rauhen und nie gepflegten Wildheit schöneren Garten.
Grach breitete die Arme aus vor Freude.
"Das ist herrlich!" rief er.
Sie lächelte.
"Ja, es ist herrlich!" sagte sie auch. "Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht die letzten Stunden des Nachmittags hier verbringe. Hier stört mich kein Mensch. Ich kann sitzen, wo ich will, ich kann gehen, ich kann lesen, ich kann tun, was ich will. Mir ist, als sei sie mein, diese ganze Höhe."
An dem Wirtshause vorbei, wo der Besitzer des Gartens mit seiner
Familie wohnte, führte sie ihn langsam empor.
"Ueberall können wir uns setzen, Grach," sagte sie. "Wollen Sie die Stadt sehen? Oder wollen wir hier bleiben auf dieser Terrasse, wo es am kühlsten ist?"—
"Hier," bat er, "lassen Sie uns hier bleiben. Hier ist es einsam, kühl und schön."
So setzten sie sich, einander gegenüber, an einen der Tische. Ein Mädchen kam mit einer Flasche und einem Glase. Als sie den gewohnten einsamen Gast in Gesellschaft eines zweiten sah, malte sich sprachloses Erstaunen auf dem frischen, jungen Gesicht.
"Kein Bier heute, Käthchen," sagte Dora Syk, "ich habe Besuch heute.
Eine Flasche Rheinwein und zwei Gläser."