»Und wenn Sie meine Seele in hundert kleine Fetzen reißen und mir vor die Füße werfen — so würde mir das bitter weh tun und ich würde durch tausend Schmerzen gehen — aber niemals würde ich deshalb wünschen, keine Seele besessen zu haben. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn Sie ohne Seele sind, lassen Sie sich schnell eine einblasen.«
»Vielleicht von Ihnen oder von Winkelmann?«
»Warum nicht?« —
»Ah — Herr Winkelmann — bitte, Sie dürfen mir schon guten Abend sagen.«
»Ich fürchtete, zu stören.«
Winkelmann trat an den Tisch und begrüßte die beiden. Als er das Lokal betrat, hatten seine scharfen Augen Gerda sofort erspäht, auch mit wem sie saß, wußte er, trotzdem er von Reitzenstein nur den Rücken sehen konnte. Erst war es seine Absicht gewesen, sich in eine Ecke zu setzen und die beiden zu beobachten, dann aber änderte er seinen Entschluß, und er ging langsam an dem Tisch vorbei, so tuend, als bemerke er sie nicht. Würden sie keine Notiz von ihm nehmen, so wollten sie nicht bemerkt werden, und er wußte Bescheid, andernfalls — da rief Gerda ihn an, und er begrüßte sie.
»Sie stören durchaus nicht. Im Gegenteil, wir sprachen gerade von Ihnen. Sie sollen mir nämlich eine Seele einblasen.«
»Das täte ich von Herzen gern — wenn Sie nämlich keine haben.«
»Ich habe keine!«
»Das bilden Sie sich doch nur ein! Dann wären Sie ja eine Melusine, ein unirdisch Lebewesen — kein Menschenkind.«