8. Abschnitt.
Gr. Kranichsee–Zwota (29
km
).
Zugangswege: a ) von Sachsen: Bahnlinie Wilzschhaus–Carlsfeld; Endstation nach dem Kranichsee 3 km. b ) von Böhmen: Bahnlinie Karlsbad–Johanngeorgenstadt. Von Station Hochofen über Frühbuß oder von Neuhammer über Hirschenstand 13 km.
Der von der böhmisch-sächsischen Landes- bezw. Reichsgrenze durchschnittene Große Kranichsee ist das größte Hochmoor im Gebiete des Erzgebirges, in einer Höhe von 920 m gelegen und zwei Stunden Gehweges im Umfang; er enthält ein ansehnliches Wasserquantum, welches die Zuflüsse der Zwickauer Mulde und der Zwodau (Zwota) speist. Sumpfkiefern, Moosbeersträucher und Riedgräser ragen über das dichte Moosbett heraus, dazwischen einzelne offene Wassertümpel. Vorsicht beim Durchwandern ist geboten. – Berlet, Erzg. R. XVIII.
Der Kammwegwanderer verläßt auf dem Fußweg das Moorgebiet und betritt bei der Wegetafel 109 b die als Kommunikationsweg von Weiters Glashütte nach Obersachsenberg ausgebaute Waldstraße, welche auch als Schwerdterstraße bezeichnet wird. Sie tritt sofort am Ende der Waldabteilung 76 des Glashütter Reviers in das Gebiet des ehemaligen Vogtländischen Kreises ein. Der Grenzflügel läßt l. eine scharfe Ecke der Landesgrenze mit Grenzstein I K. B. / K. S. erkennen, die Straße selbst trägt neben der Kammwegmarke die Zeichen = weiß/gelb und || blau/weiß . Die erstere Marke gilt dem Kommunikationsweg nach Sachsengrund, welcher nach etwa 1 km bei Wegetafel 110 a am Brücken- oder schwarzen Teich r. abzweigt in das Tal der großen Pyra sich hinabziehend. Wir folgen der Schwerdter Straße (blau weiß) weiter und gelangen bald an die Landesgrenze, der wir nun auf eine lange Strecke folgen.
Hierbei ersteigen wir eine Höhe von 945 m, zwischen dem 956 m hohen großen Rammelsberg und dem großen Hirschberg; von hier senkt sich unser Weg wieder abwärts bis zu einer manneshohen Grenzsäule, die »weiße Frau« genannt, nahe einer scharfen Ecke des Grenzzuges bei Grenzstein 628.
Wir folgen zunächst der jetzt südwestlich verlaufenden Grenze bis zu Stein 620 und ersteigen auf einem l. abzweigenden Waldwege (in Böhmen) den 935 m hohen Aschberg, der eine Ausschau über zahlreiche Ortschaften hinweg weit nach Böhmen und Sachsen hinein ermöglicht – siehe Metzner, das obere Vogtland, 29. Partie. – Der Aschberg bildet den Markstein des nördlichen Gehänges vom Zwotatal, das zwischen Klingenthal und Graslitz von der Landesgrenze durchschnitten wird. Auf der südlichen Seite liegt als entsprechende Höhe, allerdings niedriger, dicht am Grenzzuge die Höhe der Dreirainsteine (siehe nächsten Abschnitt).
Nach Rückkehr vom Aschberg verfolgen wir von Wegetafel 111 a ab den von Obersachsenberg kommenden und nach Morgenröthe führenden Kommunikationsweg (Waldstraße = blau/weiß markiert). Auf derselben erreichen wir nach etwa 800 m den obersten Lauf des ostwärts zum Herolds-Teich hinabfließenden Heroldsbaches und verlassen hier die Straße, um auf dem l. abzweigenden × blau/rot und ||| weiß/blau/weiß markierten Waldwege zunächst die 894 m hohe Wasserscheide der über Morgenröthe nach Rautenkranz zur Zwickauer Mulde fließenden großen Pyra und der über Tannenbergstal nach Jägersgrün ebendahin fließenden kleinen Pyra zu ersteigen. Der Weg führt weiter vorbei auf einer Waldlichtung, in deren Wiesenfläche eingestreut die wenigen Häuser des Dorfes Mühlleithen (169 E.) liegen. Bald erreichen wir an der Wegetafel 137 a die von Auerbach über Bahnhof Jägersgrün nach Klingenthal führende Landstraße an ihrem höchsten Punkte (»Abspann« oder »Köppe« genannt) und verfolgen sie etwa 800 m weit abwärts bis zur Gastwirtschaft »Buschhaus« (11 km ) bei dem Stein 15,9, wo wir in bescheidener Weise uns zum Weitermarsch stärken können. Der Kammweg führt von der erwähnten »Köppe« der Straße ab zur Höhe des Kiel (941 m ), doch halten wir uns r. vom Gipfel, folgen der Marke × blau/rot und kommen hierbei an die 5 Häuser des Dorfes Winselburg (35 E.), in deren Nähe zahlreiche Halden ehemaligen Bergbau (auf Zinn) andeuten. Auch der vom Gebirgsverein Klingenthal mit 10 bezeichnete Weg vereinigt sich mit dem unserigen und gelangen wir den Wegmarken × blau/rot bezw. 11 und 3 folgend bald zum (14 km ) Schneckenstein. Die 890 m hohe Felsenkuppe ist nicht nur bekannt als ein Aussichtspunkt über ein weites Waldgebiet, sondern weit berühmt infolge ihrer geologischen Beschaffenheit. Die ziemlich haushohen Felsen bestehen aus weichem turmalin- und glimmerreichen Schiefer, in welchem sich weingelbe Topase eingebettet finden, welche früher bergmännisch ausgebeutet wurden; siehe Metzner: das obere Vogtland, 16. Partie.
Vom Schneckenstein folgt zunächst der Kammweg noch der Marke 3 des Gebirgsvereins Klingenthal im Hochwald und am Affenstein vorbei, bis er in einer Höhe von 723 m eine Hauptwegekreuzung erreicht, von der wir bald aus dem Wald heraus auf die vom obersten Muldenlaufe durchflossene Talmulde gelangen, in welchem der Ort Muldenberg (680 m, 361 E.) gelegen ist. Auch zwei kleine Gräben überschreiten wir auf Holzbrückchen; sie dienten früher der Holzflöße.
Nahe derselben liegen die Muldenhäuser beiderseits der von Aue herauf nach Schöneck führenden Eisenbahn, welche wir (19 km ) überschreiten, um die Kammwegwanderung wieder in Hochwald (allerdings keine schönen Bestände) fortzusetzen bis zur Eisenbahnstation Schöneck (770 m hoch), von welcher wir durch Kammwegzeichen hinab geleitet werden nach der Stadt Schöneck (24 km vom Kranichsee).
Die Stadt Schöneck (4512 E.) ist wahrscheinlich eine alte Sorbengründung und bietet jetzt eine recht gute Unterkunft. Inmitten der Stadt erhebt sich der 735 m hohe Friedrichstein, auch Friedrich August-Stein genannt, welcher eine vortreffliche Rundsicht über den südlichen Teil des sächsischen Vogtlandes, nach Böhmen und Bayern gewährt, weit umfassender, als der Aschberg oder Schneckenstein zu bieten vermögen. Die Stadt wird als Sommerfrische viel aufgesucht und stehen dafür hübsche Wohnungen zur Verfügung. (Siehe: Metzner, das obere Vogtland, 22. Partie.)