“Und die Schriftsteller erhalten auch kein Honorar?” warf ich ein.

“Diese erhalten natürlich kein Honorar in Geld, da die Geldwirtschaft abgeschafft ist, aber man hat von alter Zeit her den Gebrauch, für geistige Arbeit von höherem Werthe besondere Vortheile und Begünstigungen einzuräumen.”

“Wie bemißt man aber diese und wer schätzt den Werth der Arbeit ab?”

“Den Werth der Arbeit schätzt die Regierung ab, wie man im 19. Jahrhundert die Verdienste eines Staatsbeamten abschätzte und entlohnte, theils durch Beförderung, theils durch Auszeichnungen, theils doch auch durch Prämien!”

“Da kann man sich die Protectionswirthschaft vorstellen,” fluchte Mr. Forest, “und wer gegen die Regierung schreibt oder den Ministern nicht den Hof macht, wird natürlich umsonst auf Belohnung warten.”

“Man schreibt in Österreich nicht für und nicht gegen die Regierung, denn, nachdem der Classenstaat durch Verstaatlichung des Besitzes sich in einen Volksstaat verwandelt hat, haben alle politischen Fragen an Bedeutung verloren und es kann höchstens Verdienst oder Verschulden Einzelner in Frage kommen, wobei Wissenschaft und Kunst nicht betheiligt sind. Allerdings ist bei der Bewerthung geistiger Arbeit ein sicheres Urtheil nicht zu gewinnen, aber es wird damit folgendermaßen gehalten. Man unterscheidet in der Literatur Wissenschaft und Kunst. In der Wissenschaft handelt es sich um Forschung und Mittheilung ihrer Ergebnisse oder um bloße Tradition. Erstere veröffentlicht der Forscher in den Fachblättern oder in selbstständigen Werken. Gehört er dem officiellen Verbande der wissenschaftlichen Körperschaften, also einer Akademie, einer Hochschule oder einem vom Staate eingerichteten wissenschaftlichen Institute an, so gilt das Ergebniß seiner Forschung als geistiges Eigenthum des Staates, der ihm Unterhalt gewährt und alle Forschungsbehelfe zur Verfügung stellt. Das schließt aber nicht aus, daß für epochemachende Entdeckungen besondere Entlohnungen in munificenter Weise bewilligt werden, wie es überhaupt mit der Belohnung besonderer Verdienste gehalten wird.”

“Wie kann das doch mit den communistischen Principien in Übereinstimmung gebracht werden und wie stimmt das mit der Forderung der Gleichheit?” fragte Forest.

“Wir halten Gleichheit nicht für eine Forderung des Communismus in dem Sinne, daß Mann für Mann dasselbe genießt. Wir verstehen unter Gleichheit einmal die Festhaltung der gleichen Würde für jeden Menschen. Jeder ist Mensch und das ist der höchste Adelsbrief. Gleichheit herrscht ferner darin, daß jeder eine vollkommene Erziehung und eine vollkommene Ausbildung erhält, so daß alle seine geistigen und leiblichen Anlagen zur vollen Entfaltung gelangen, gleichviel, wer sein Vater oder seine Mutter wäre. Wir verstehen ferner unter Gleichheit, daß jedem in seinem Berufe alle jene Erleichterungen gewährt werden, die ihn in den Stand setzen, das Höchste zu leisten. Nur durch höhere Leistungen kann sich der Mensch noch ein wenig über seine Mitmenschen erheben. Die Geburtsvorrechte wurden eben deshalb abgeschafft, damit jeder nach Verdienst geehrt und entlohnt werden kann. Das heißt, damit die natürliche Ungleichheit zu voller Entfaltung soll gelangen können hat man alle künstliche und aus der Knechtung entstandene Ungleichheit abgeschafft.”

“Wir sind ferners der Überzeugung, daß, wenn man jedem die gleiche Gelegenheit bietet, das Höchste zu leisten, wozu ihn die Natur befähigt hat, darin allein auch wieder der angemessene Lohn liegt; denn, wenn man einem Manne, der zweimal so stark ist, als sein Nebenmann und daher zweimal so große Lasten bewegt, auch zweimal soviel Nahrung gibt, so ist das eher gleich, als wenn man diesen verschiedenen Leuten genau gleichviel Nahrung zumessen wollte. Keinesfalls bewirkt das eine sociale Ungleichheit und so wenig man daran denken könnte, einer hundertpferdigen Dampfmaschine genau so viele Kohlen zuzuführen, wie einer einpferdigen, ebensowenig könnte man jedem Arbeiter genau und mechanisch dieselbe und gleichviel Nahrung zumessen.”

“Erwägen wir aber genauer, welcher Art die Güter sind, auf welche hervorragende Künstler, Forscher und Erfinder vorzugsweise Anspruch erheben werden, so werden sie wohl unter den Begriff geistiger Nahrung fallen. Das Volk also, der Abnehmer aller geistigen und materiellen Werthe, die durch Menschenarbeit geschaffen werden, hat selbst ein Interesse daran, daß höheres Verdienst auch höheren Lohn findet. Er stellt sich nämlich als produktive Auslage dar.”