So bei Goethe. Freilich zwischen dem Alt-Weimarer Hause Sr. Exzellenz und einer modernen Stadtwohnung, ist ein Unterschied.

Zu jenen Räumen, für die man im Allgemeinen auch das Schlechteste für gut genug hält, gehören die Dienerzimmer. Es ist ein trauriges Zeichen schlechter sozialer Begriffe und unzureichender menschlicher Einsicht, wenn man in einem Hause die Dienstleute, denen man doch Treue und Anhänglichkeit zum Gesetz macht, schlecht versorgt findet. Im Dienstverhältnis gibt es nach beiden Seiten hin Pflichten und Rechte und kein Teil, weder Dienstgeber noch Dienstnehmer, dürfte dem anderen etwas schuldig bleiben. Für menschenwürdige Zustände im Hinblick auf das Dienstpersonal zu sorgen, ist auch eine der ersten Pflichten der Hausfrau, wenn sie nicht Recht behalten sollte, daß sie wirklich »bezahlte Feinde« im Hause habe. Guter Geschmack heißt hier wie überall Reinlichkeit und Zweckdienlichkeit. Massiv eiserne Betten (Hohlräume sind immer Aufenthalt unausrottbarer Ungeziefer), einfache Möbel aus weichem Holz in irgend einer Farbe gestrichen, Tisch, Stuhl, Schrank und Waschgelegenheit möblieren den Raum vollständig und können ihn zugleich recht wohnlich machen. Wenn für das persönliche Wohl der Dienstleute in mustergiltiger Weise gesorgt ist, ist das immer eine Ehre für die Hausfrau.


Die Küche.

In einem Lobliede an die Küche meint Gilles Corrozet (1534), daß es eine schöne Sache sei um ein geschmücktes Haus, um eine behagliche Stube, um den wohlbestellten Speicher und Keller, daß aber ein Haus trotzdem nichts Erquickliches böte, wenn man nicht auch eine gute Küche sehe, die gute Küche, wo die freundlichen Götter Diana, Ceres und Bachus ihre gesegneten Gaben niederlegen, wo der freundliche, Zufriedenheit und Wohlbehagen spendende Hausgeist im Winkel am Herde tront und leibliche Stärkung und Mehrung der Daseinsfreude verheißungsvoll winken.

Küche von Arch. Prof. Joseph Hoffmann.

Der gute Corrozet ist ein praktischer Idealist; wer auf guten Tisch hält, (und wer tut das nicht) muß vor allem auf gute Küche halten, und darum gibt er seinen Zeitgenossen eine umständliche, in zierliche Reime geflochtene Darstellung einer ganzen Kücheneinrichtung, in der er auch nicht »die Lichtschneutzen« vergißt und daraus man leicht ersehen kann, welche hervorragende Wichtigkeit die Küche im damaligen Haushalt besaß. Sie ist die Urzelle des Hauses, aus der die anderen Räume erst nach und nach hervorgegangen sind. Noch im XVIII. Jahrhundert vollzog sich auf den seigneuralen Gütern Frankreichs das Leben vorzugsweise in der Küche, während die übrigen Gemächer des Hauses als bloße Repräsentationsräume nur gelegentlich benützt wurden.