Die bildmäßig dekorative Verwendung anderer Materialien, wie etwa getriebene Paneele in Messing, Kupfer oder Silber, die Kachelschnitte, Mörtelschnitte, Mosaikbilder, Email und Perlmutter etc., die in die Mauer eingelassen werden, kann nur im eigenen Wohnhaus in Betracht kommen, wo der Kunst ein viel größerer Spielraum gegeben ist.

Salonecke von Arch. Karl Bräuer.


Das Porträt im Wohnraum.

Eine Stadt, die hunderttausend Einwohner hat, kann keine zwei Porträtmaler ernähren. Das gibt zu denken. Im Nebenzimmer hängt das Porträt der Großmutter. Sie sieht aus, wie in ihren besten Jahren, als Frau, da sie schon alle ihre Kinder gehabt hat. Acht an der Zahl. Wie gut sie aussieht! Die dunklen Haare sind in der Mitte gescheitelt und ziehen in schönem Schwung stark in die Schläfen herein. Das blaue Seidenkleid ist tief ausgeschnitten, ein feines Spitzentuch trägt sie darüber. Um den schönen Hals läuft eine neunfache Perlenschnur, vorne von einer großen Brosche zusammengehalten. Sie trägt die großen, aber ungemein fein und leicht gearbeiteten Ohrgehänge aus den Dreißiger- und Vierziger-Jahren und schön gefaßte Ringe: Topas, Amethyst und Chrysopras. Stundenlang könnte man sie ansehen. Wie schön sie ist! Überallhin folgen einem ihre Blicke. Stellt man sich links, rechts, in die Mitte, immer blickt sie einem an mit den braunen, klaren, gütigen Augen. Der Maler ist gar nicht bekannt. Aber das Bild lernt man lieben, und im Bilde die Frau. Bald hat sie einen unverlierbaren Platz in der Seele und lebt mit uns, obzwar sie längst tot ist. Im Leben haben wir sie nie gesehen. Ein Jugendbildnis ist noch da. Da war sie noch Mädchen, trug einen bebänderten Florentinerhut und weiße, duftige Tüllkleider. Ein Pastell, blaß und rührend anzusehen. Ausgebleicht, aber rosig umhaucht, wie verdorrte Rosen. Das war eine kunstfrohe Zeit, Großmutters Jugendtage. Aus allen Familien sind uns von damals Bildnisse überliefert, Ölporträts, Pastelle, Lithographien, Miniaturen, von Daffinger und Genossen auf Elfenbein kunstreich gemalt. Dieselben Personen meistens in den verschiedensten Lebens-Epochen dargestellt, Grillparzer, die Fröhlichs, Schubert, all die Großen ihrer Zeit, noch aus ihren unberühmten Tagen, was das Bemerkenswerte ist. Von den Bildnissen Unberühmter, die nur Familienwert haben, gar nicht zu reden. Diese ganze Kunstblüte ist untergegangen.

Wohnzimmer von Arch. Max Benirschke.