"Dein Geld? Ein Plan des Spaniolen? ... Da muß was Sauberes dahinter stecken ... wirst doch hoffentlich nicht den Schlechten machen wollen? ... Du weißt, ich kenne dein Leben in der Heimath und im Hegau drunten, habe lange an dir gezweifelt und dich auf manche Probe gestellt!" ... Bist aus einem unehrlichen Buben ein ehrlicher Bursche geworden, das ist brav! ... Bleibe, wie du bist, ehrliche Hand kommt durchs ganze Land!" ruft die Emmerenz, welche ihre Fassung wieder ganz gewonnen, sehr ernst." [ernst.]
"Schau, Emmerenz, so wahr ein Gott im Himmel ist, so wahr gehört das Geld mein, welches ich jetzt holen will, wenn du es sagst!"
"Ei, weshalb hast du früher nichts davon gesagt? Weßhalb holtest du es nicht früher? ... Es wäre vielleicht gut gewesen! ... Hast du geerbt? ... Wieviel ist es denn?"
"Ich sagte nichts, weil ich von andern Dingen reden müßte, von denen ich gerne schweige, holte es nicht, weil das Holen eine kleine Plage ist und ich bisher immer das Nothwendige hatte. Aber jetzt muß Geld her, jetzt muß auch heraus, was mir seit Ostern Tag und Nacht keine Ruhe mehr gelassen und mich schier in Verzweiflung gesetzt hat! ... Ich bin in den letzten Wochen selten vor deinen Augen, aber gar oft noch spät in der Nacht in deiner Nähe gewesen, weil ich wußte, daß Einer da aus und eingehe, der mir nicht gefiel!" platzt der Zuckerhannes heraus.
"Du meinst den rothen Fritz, he?"
"Ja, den mein ich, der ist mir wie Gift und Popperment und hätte ich in meinem Leben einen Menschen umbringen können, so ists dieser rothe Halunke, der mich beim Vorbeigehen immer wie ein Basilisk anschaut und spöttisch das Maul verzieht!"
"Er hat doch nichts Besonderes wider dich!"
"Aber ich desto mehr wider ihn!"
"Weßhalb denn?"
"O du weißt es, Emmerenz! ... Du weißt es, aber ich wills dir auch noch sagen. Siehe, seit dem Tode meiner Mutter selig bin ich behandelt worden und herumgelaufen wie ein herrenloser Hund! ... Keiner hat mir ein gutes Wort gegeben, Alles hat mich verachtet und verfolgt, als ob ich ein Schandmal auf der Stirne und das Schlechteste verübt hätte, was es geben kann! ... Jahrelang habe ich lieber im Stalle oder auf der Weide beim Vieh als bei den Menschen gelebt und mir fast angewöhnen müssen, in jedem Menschen einen Feind zu sehen! ... Der Moosbauer war gut, allein er hat bewiesen, daß er es gegen mich nur aus Eigennutz war, im Gefängniß habe ich Freunde gefunden, aber sie haben mich nachträglich verrathen und verkauft! ... Im Adler drüben lebe ich ruhig, aber das Zutrauen zu den Menschen ist bei mir weg! ... Keinen Vater, keine Mutter, keine Geschwister, Anverwandte, Freunde, im Grunde gar keine Heimath und keinen Halt in Freuden und Leiden zu finden, das ist hart, Emmerenz! ... Wie ich dich kennen lernte, wurde es anders, ich hatte für unglücklich mich gehalten und fühlte mich bald als der Glücklichste auf dem ganzen Erdboden! ... Nicht die Ursula, diese alte, wunderliche, kranke Frau, sondern du warst es, was mich in dieses Haus zog! ... Ich kann nicht sagen, was ich empfinde, es ist unsäglich! ... Jedesmal kam ich her, um dir zu sagen, für dich sei mir die Hölle nicht zu heiß und bei dir der Himmel da oben gleichgültig, weil ich ihn da unten und da drinnen habe! ... In neuerer Zeit ist's anders geworden, neben dem Himmel ist die Hölle mit allen ihren Qualen in mir wach geworden! ... Mehr als einmal hätte ich den See springen mögen vor Jammer und Herzeleid! ... An Allem ist der rothe Fritz schuld ... er ist der leibhaftige Gottseibeiuns, der mich noch zu ... zu ich weiß nicht was treiben könnte!"