Die Hoffnung auf derartige Ansprache ging niemals in Erfüllung, Hoffen und Harren macht manchen zum Narren und könnte nicht fehlen, daß der Zuckerhannes seine absonderlichen Gedanken wie im Stalle so auch manchmal bei Leuten laut werden ließ.

Die Knechte und Mägde lachten, der Moosbauer lachte anfangs mit, aber seitdem er wußte, der Schwarzwälder gehe an Sonn- und Feiertagen zwar mit andern Leuten bis zur Kirche, dann aber, besonders bei schönem Wetter nicht immer in dieselbe hinein, sondern schlendere in Feld und Wald herum oder kehre in seinen Stall oder auf den Heuschober verstohlenerweise zurück, da schüttelte er bedenklich den Kopf, beobachtete den Zuckerhannes heimlich, wurde mindestens an der Religion desselben irre und machte ihn durch die Androhung augenblicklicher Entlassung wiederum zu einem fleißigen Anwohner des Gottesdienstes.

Das Gelächter der Knechte und Kichern der Mägde hörte nicht auf, hinter dem Gelächter und Kichern steckte bei Diesem und bei Jenem auch etwas Bosheit, Neid und Rachsucht und der Schwarzwälder lieh Anlaß dazu.

Er hielt das Vieh des Mooshofes in einem so trefflichen Zustande, wie es noch niemals der Fall gewesen, war beim Arbeiten der Erste und Letzte und je mehr ihm der Bauer und die Bäuerin dafür Dank wußten, desto weniger wußten ihm dafür die Dienstboten.

Weil er weit mehr arbeitete, als dies bei sonst fleißigen Knechten der Fall zu sein pflegt, so mußten sich seine Mitknechte auch weit mehr anstrengen, damit er ihnen nicht immer als Muster vorgestellt und vorgeworfen würde und dies war ihnen nicht lieb. Sie behaupteten, der Schwarzwälder schinde und plage sich ab aus purem Zorn und Haß gegen sie, thaten Alles, demselben die Arbeit zu erschweren und zu entleiden, richteten jedoch wenig aus und während sonst wohl sogar der Bläsi mit der Zeit seinen Uebermuth und Groll gegen den Zuckerhannes hätte fahren lassen, trug letzterer selbst das Meiste dazu bei, die Gemüther der Mitdienenden gegen sich zu erbittern und unversöhnlich zu machen.

Dem Moosbauer war sein Nutzen das Liebste und Höchste, deßhalb liebte er auch den Schwarzwälder, erhob ihn vom Roßbuben bald zum Range eines Stallbeherrschers und hätte eher dem Bläsi als diesem den Dienst aufgekündiget. Dem Stallbeherrscher wuchs der Kamm, er konnte in Manchem Befehlerles spielen und wie Zorn und Haß gegen Andere wirklich der Sporn seiner Unermüdlichkeit waren, so that er noch mehr, um sich für Unbilden zu rächen und das Mißtrauen in seine Ehrlichkeit gründlich zu beseitigen.

Es gibt wohl selten ein Haus, in welchem eine Anzahl verschiedener Leute wohnt, ohne daß Ungeschicklichkeit, Trägheit, Nachlässigkeit und Untreue mindestens eine untergeordnete Rolle spielen. Der Mooshof galt als Einer der besten Höfe weitum und dies mit vollem Recht, aber verdorben und veruntreut wurde doch jahraus jahrein gar Manches, ohne daß die Eigenthümer Etwas dagegen zu sagen im Stande waren, sei es, daß die Schuld unbeweisbar oder unbekannt war. Nun spielte der Zuckerhannes neben der Rolle eines Musterknechtes auch die eines unbestechbaren Polizeikommissärs mit immer größerer Lust, um sich recht in der Gunst des Moosbauern zu befestigen und an dem Mitdienenden zu rächen. Kein Knecht und keine Magd verdarb eine Kleinigkeit oder trug etwas aus dem Hofe, ohne daß die Hofleute es wußten und wenn es auf unsern Helden angekommen wäre, so würde es wöchentlich einigemal schwere Händel abgesetzt haben. Er log und verläumdete nicht, doch steckte er seiner Herrschaft gar Vieles, was weder dieser noch ihm Nutzen brachte und besser mit Stillschweigen übergangen worden wäre.

Die Mitdienenden haßten den "Hungerleider, Wohldiener und Kalfakterer" von ganzem Herzen, doch weil der Haß nichts helfen wollte, theilten sie sich etwa ein halbes Jahr nach der Ankunft des Zuckerhannes in zwei Partheien, nämlich in eine solche, bei welcher der Haß von der Furcht überwogen wurde und die gerne friedlich im Neste sitzen bleiben wollte und in die alte mißtrauische und feindselige, deren Haupt der geschickte und ehrliche, deßhalb auch furchtlose Bläsi blieb, der kein Soldat hätte sein müssen, um offenen Krieg nicht einem feigen Frieden vorzuziehen.

Diese Partheiung fand kurz vor der Kirchweihe statt, das Haupt der friedsamen Parthei, die Meistermagd lud den Zuckerhannes ein, jetzt auch einmal zu thun wie andere Menschen und mit ihr, der Margreth und dem Jockel und einigen Andern ins Wirthshaus und zum Tanze zu gehen, denn wenn er mit seinem krummen Fuße auch nicht tanzen könne, so könne er doch Gesundheiten trinken und lustig sein mit ihnen.

Der Moosbauer und die Moosbäurin selbst redeten dem Stallbeherrscher zu, der Einladung zu folgen, aber dieser schüttelte das Haupt, daß die Zipfelkappe sammt dem Kropfe wackelte und meinte gar patzig: