Am Sonntag Abend wußte der Held unserer Geschichte, sein Herkommen und seine begangenen Sünden sammt vielen unbegangenen seien im Dorfe drüben und sogar im Amtsstädtchen in mehr als Einem Munde, schwor, niemals Kameraden zu suchen und ohne besondere Geschäfte kein Wirthshaus zu betreten und hat den Schwur bis tief in den Winter hinein gehalten. Still, verschlossen und menschenscheu lebte er im Mooshofe und erfüllte seine Pflichten mehr als getreu, indem er die Stallbewohner beinahe zu seinen ausschließlichen Gesellschaftern machte.
An einem Sonntage saß er vor dem Stalle auf der Hundshütte, ließ eine silberne Sackuhr im Licht der Wintersonne spielen, der Bläsi sah dies aus der Ferne und lächelte höhnisch, am andern Tage aber holte ein Gensdarme den Zuckerhannes aus dem Mooshofe und führte ihn in das Amtsgefängniß.
[Im Thurm.]
Es bleibt eine Thatsache, über deren Richtigkeit schon das Studium der Schriften der ausgezeichneten Gefängnißkundigen genügend belehrt, daß in Deutschland Preußen und Baden das Meiste gethan haben und noch thun, um das Gefängnißwesen in musterhaften Stand zu setzen.
Preußens Gefängnisse kennen wir nur durch Schriften, Unterredungen mit einzelnen Gefängnißbeamten und ehemaligen Gefangenen, die badischen dagegen vielfach aus eigener Anschauung und Erfahrung.
So vortrefflich in neuer und neuester Zeit die Zuchthäuser, Arbeitshäuser, Kreisgefängnisse eingerichtet und verwaltet werden, so sehr man sich bemüht, auch die Untersuchungsgefängnisse in guten Stand zu setzen, so bleibt doch in Beziehung auf letztere noch Manches zu thun übrig.
Wir kennen trefflich eingerichtete Untersuchungsgefängnisse, welche nur noch an Einem großen Mangel leiden, nämlich daß sie durch das Beisammenleben der Gefangenen Vorschulen aller Verkehrtheit und Laster werden; wir kennen aber auch Arrestlocale, deren Beschaffenheit und Einrichtung wohl bis zur Stunde aller Gesundheitspolizei und Humanität schneidenden Hohn sprechen.
Von Oben herab geschieht freilich alles Mögliche, damit Untersuchungsgefangene oder polizeilich Verurtheilte nicht an Leib und Seele Schaden leiden, allein mancher Phisikus ist dick und bequem dazu, mancher Beamte hat viel zu viel mit der Unschuld zu schaffen, um sich sonderlich um etwas anderes denn um Verurtheilung der Schuld zu bekümmern, mancher Kerkermeister ist ein kleiner Absolutist, der hinter dem unnahbaren Schild des Gesetzes und der Verordnungen seinen Eigennutz und seine Launen versteckt und in mancher kleineren Gemeinde sind gewiß keine drei Personen, die sich Etwas von der Wichtigkeit des Gefängnißwesens träumen lassen, weit eher dreißig gedankenlose, kurzsichtige Schwätzer, welche sich über kostspielig scheinende Verbesserungen der Gefängnisse aufhalten und lieber großen Schaden mitbezahlen, als kleinere verhüten helfen würden.
Freilich gibt es unter dem Monde nichts ganz Vollkommenes; wie in allen Dingen lassen sich auch im Gefängnißwesen manche Mißstände nur langsam, schwer oder auch gar nicht beseitigen oder Verbesserungen ziehen neue Mißstände nach sich, so daß die Menschen am Ende ein großes Übel weniger auszumärzen, als durch ein kleineres zu ersetzen vermögen.
Was Friedrich II. in der bekannten Audienz zu einem deutschen Gelehrten sagte: "Die Menschen seien eine ganz verfluchte Race" werden die Regierenden zu allen Zeiten an einzelnen Werkzeugen und vielen Unterthanen bestätigt finden, welche ihre wohlwollenden Absichten Absichten sein lassen oder gar vereiteln.