Während der Zuckerhannes in den Tag hineinschaut, der Indianer knetet, der Schlosserlehrling schneidet und der alte Mann punktirt, alle zugleich ein Quartett kratzen, schnarcht das Murmelthier den Grundbaß dazu.

Das Murmelthier, ein kurzer, dicker Kerl, besitzt das Talent, Tag und Nacht in Einem fort zu schlafen und mörderlich zu schnarchen trotz Flöhen und Wanzen, Hunger und Durst, Ermahnen und Bitten, Schreien und Fluchen der Mitgefangenen. Er steht nur auf, wenn er absolut muß, gähnt, murrt und brummt dann wie ein aus dem Winterschlaf auftaumelnder Bär, redet selten ein deutliches Wort und schnarcht sehr bald wieder ein.

Er wird zornig und fährt auf, wenn man ihn stößt und rüttelt, mit Wasser begießt, wirft, sticht oder schlägt, doch sein Zorn endet stets mit der Mißhandlung, sein Blut ist dick, ein todtes Meer, welches kein Sturm in Wallung bringt.

Das Murmelthier ist ein Gastwirth, der, höchstwahrscheinlich im Schlafe, eine Majestätsbeleidigung ausgestoßen haben soll, vielleicht den Gästen zu gefallen, denn Bier, Wein und Branntwein sind in seinem Hause liberal und wenn ihn seine Frau erzürnt, so brummt er heftig über das Ministerium und repetirt einen Theil der neuesten Nummer der Mannheimer Abendzeitung.

Was er im Schlafe gesagt, gestand er im Halbschlafe ehrlich, um nicht lange in Verhören herumstehen zu müssen; schlafend wird er sein Urtheil anhören und an sich vollziehen lassen, wird blutwenig an den Ansichten und Sitten der Zuchthäusler verbessern oder verderben, wohl aber den Schlaf derselben stark beeinträchtigen.

Auf demselben Bette, worauf diese zweibeinige Widerlegung des schwermüthigen Young. der "balsamische Schlaf meide die Augen der Unglücklichen," behaglich schnarcht, sitzt das "Affengesicht" und unterhält sich mit dem einäugigen Stoffel, einem alten Besenbinder und ganz unverbesserlichen Vagabunden, der sich wieder um eine Eintrittskarte in sein Winterquartier, nämlich ins Zuchthaus beworben hat und dieselbe sicher erhalten wird.

Das "Affengesicht" hat seinen Namen vom "Indianer" nicht umsonst erhalten, Gesicht und Gestalt zeigen Aehnlichkeit mit einem Affen; die Laune der schöpferischen Natur scheint hier zum Troste verzweifelnder Naturforscher den bisher noch nicht ermittelten Uebergang vom Schimpanse zum Australneger einmal verkörpert und die äußere Gestalt den innern Anlagen vollkommen entsprechend gebildet zu haben.

Er lebt und webt Tag und Nacht in einem und demselben Elemente; Alles, was er sieht und hört, bringt er in Beziehung mit seiner Lieblingsneigung, welche ihn auch in dieses Kellergewölbe gebracht hat und voraussichtlich zu einer Zierde der Strafanstalten machen wird. Wüste Lieder, gemeine Zoten, unzüchtige Erzählungen und kitzelnde oder ekelhafte Schilderungen sind seine Lust und Wonne und beinahe das Einzige, woran er denkt und wovon er redet.

Anfangs entleidete sein Geschwätz und sein Gabahren [Gebahren] einigen Mitgefangenen, doch darnach fragte das Affengesicht wenig und jetzt lassen sie ihn reden und hören nicht mehr darauf. Von Natur schwächlich, feige und furchtsam würde ihn ein Blick, eine Drohung, geschweige ein Schlag des Indianers oder jedes Andern für einige Zeit zum Schweigen bringen, aber der einäugige Stoffel nimmt stets eifrig für das Affengesicht Parthei, der Moses thut dasselbe, denn der Stoffel ist in Gemeinheit, Sünde und Laster grau geworden, der Sohn Israels kennt den Casanova und Paul de Kock besser als Talmud und Bibel, erzählt gerne pikante Histörchen, um anderer Quälereien los und ledig zu werden.

Der Schlosserlehrling ist ein begeisterter Schüler des Affengesichtes geworden, dem unerfahrenen, täppischen Zuckerhannes ist in diesem dämmerungsreichen Orte ein ganz neues Licht über Leben und Lieben aufgegangen; er gesteht gerne, bisher ein "dummer Kaib" gewesen zu sein, doch reift in ihm auch der Entschluß, seine Dummheit zu verbessern und wenn das Affengesicht, der Moses oder der Einäugige etwas vorbringen, was nicht schon hundertmal dagewesen ist und den Reiz der Neuheit verloren hat, paßte er gewaltig auf, lacht gewaltig und bittet gewöhnlich um ein baldiges da Capo.