Jetzt wurde es im Gange lebendig, die Suppe kam näher und näher, man vernahm das Gelächter oder Gebrumme einzelner Gefangenen, endlich öffnet sich der Thürschalter, zunächst dringt ein kühlender Luftzug in diese Jammerhöhle, dann werden die Suppenschüsselchen hereingereicht oder vielmehr Schüsselchen mit einer unnennbaren Brühe, in der einige Brocken umherirren. Guten Appetit, ihr Gefangenen!
[Der Zuckerhannes kommt aus dem Thurme.]
Unsere Gefangenen lagen seit einigen Stunden auf ihren Strohsäcken, der Grundbaß des Murmelthieres ward von der Fistelstimme des Schlosserlehrlings sekundirt, vom Seufzen und Fluchen Anderer zuweilen unterbrochen, die sich unruhig hin und herwälzten.
Jetzt schlugen die Uhren der Stadt und ihre langgedehnten Schläge zitterten dumpf und schwerfällig in die schwüle Behausung unserer Gesellschaft.
"Herrgottmillionen ...! flucht der Indianer, es muß anderes Wetter geben, die Flöhe, Wanzen, Spinnen thun wie besessen, ich kann nicht schlafen!"
"Der Teufel mag in dieser Folterkammer schlafen! ... Glückseliges Murmelthier, dein Speck ist dein Schild und deine Wehr! ... Ich habe noch kein Auge geschlossen! ... Gelt, Paule, im Badischen geht's oft ähnlich her, wie in Mantua!" riefen Einige.
"Hätten wir nur ein Stümpfchen Licht, dann wollten wir uns die Zeit mit Domino und Neunerstein abkürzen!" brummt der Spaniol.
"Wären wir Alle lieber im Zuchthaus, dann hätten wir Licht die ganze Nacht! ... Im Zuchthause ist's überall besser als im Untersuchungsarrest, ich war Alles in Allem 29 Jährlein gefangen und habe das erlebt! ... Im Zuchthause gehen Einem Lichter genug auf!" betheuert der Stoffel.
"Da hast Du Recht, Einäugiger! Zehnmal lieber in jeder Strafanstalt, selbst auf dem Spielberge als in dem Amtsgefängnisse! ... Ich will mich morgen gleich ins Zuchthaus melden, werde wohl wieder hineinkommen!" seufzt der alte Paule.
"Alterchen, Du könntest noch Etwas erzählen, damit wir uns müde hören!" meint der Spaniol.