"Sag uns doch, warum bist du bös auf uns?"—"He, ich bin mit Euch durchaus nicht bös!"—"Ja, warum kommst heute nicht?"—"Ei, bin ich jetzt nicht bei Euch?"—"Du bist bös mit uns, wenn du's auch verhehlst!"—"Ich bin nicht bös, gelt Gregor nit?" "Aber", sagt der Duckmäuser jetzt laut und vernehmlich und steht mitten unter dem Haufen, "ich und der Gregor und der Mathes bleiben jetzt für uns Herr, und Alle, welche am Frohnleichnamstag Maien geholt haben, dürfen nicht mehr zu mir kommen!"—"Und die, welche keine Maien geholt, sollen uns vom Leibe bleiben!" rufen die Mädchen.—"Ich gehe über Feld, wer will mit?"—"Ich, ich, ich auch, wohin?" rufen und lärmen die Buben.—"Ja, es dürfen keine Andern mit mir als solche, die den Mädlen keine Maien geholt haben!" ruft der Duckmäuser.
Der Stich wurde verstanden, die Buben sonderten sich in zwei Heere, das größere sagt: "Benedict, wir sind bei dir!"—[">[Wollt Ihr altmodisch bleiben?" fragt der Benedict und Alle antworten. "Ja!" Einer rennt in den Hirzen, mit feuerrothem Kopfe kommen der Max, der Willibald und Andere; der Max scheidet zuerst seine Rothe von den andern Mädlen ab, die Buben alle thun dasselbe, die Scheidung der Lämmer und Böcke, der schwarzen und rothen Schwitt ist in wenigen Minuten entschieden, die rothe Schwitt verläßt mit ihren Mädchen die Linde, am nächsten Sonntage soll sichs zeigen, ob die rothe oder schwarze Schwitt ihren Mädlen größere Freuden zu bereiten verstehe!" [verstehe!]
"Lauter Markgräfler muß auf den Tisch", schwört der Max, "kein Mädle darf an den Wänden herumstehen, wenn's auch keinen besondern Schatz hat, bei uns gilt die Eine was die Andere, wir bringen Anderes auf's Tapet, als Blumenzutragen, Maienholen, den Eckpfosten am Schulhaus verzieren und das verwitterte Kreuz, wo der Herrgott bald einen Schnurres von Moos bekommt!" Was ist das für ein Munkeln und Gerede die ganze Woche, wie gespannt sind die Alten und Jungen, doch ruhig bleiben die Mädlen der schwarzen Schwitt, denn ihr Herzkäfer hat gesagt: "Der Max und ich stehen einander gleich dick gegenüber am Sonntag, obgleich er der einzige Sohn des reichen Fidele ist und ich der des fast armen Jacob; ihr Mädlen sollt nicht zu Schanden werden!" Am Sonntag nach der Vesper sitzen die beiden Schwitten mit ihren Mädchen im großen Saal beim Hirzenwirth einander gegenüber; dem Duckmäuser thut nichts weher, als daß der Hansjörg und dessen Schwester, zwei stille, harmlose, einfältige Seelen auch bei der rothen Schwitt sitzen. Die Beiden halten den Duckmäuser für ihren Todfeind seit dem Freitag, an welchem ihre Mutter demselben das Tanzen und Klarinettblasen verbot, obwohl er ihnen kein böses Wort gegeben. Der Max bekommt gar keine Zeit zum Sitzen vor lauter Einschenken und Zubringen des Markgräflers an seine "Gemeinmädlen", und feurige Wangen und blitzende Augen gibts unter der rothen Schwitt, bis endlich der Max seinen Wamms auszieht, das Halstuch locker knüpft, das Schnupftuch in einem Knopfloche seiner rothen Weste festbindet, seine Rothe am Kopfe nimmt und sagt: "Auf Alte, wir tanzen jetzt Eins!"
Jetzt wird getanzt, gesoffen und gefressen, daß es erst eine rechte Art bekommt. Unter dem Tisch der rothen Schwitt liegen die Scherben aller geleerten Flaschen, vom Tische herab regnet der Zwölfer, kein Glas darf vom Munde, ehe es ganz geleert ist, nur der Hansjörg und dessen Schwester sind von diesem Gesetze ausgenommen; die Pyramiden von Wecken und Bretzeln, welche vor den Mädchen gestanden, waren zum guten Theil wieder Teig geworden, die rothe Schwitt tanzt, stampft und jauchzt, daß der Boden zittert und die Scheiben klirren.
"Franz", schreit der Max dem Aufwärter zu, der mit seiner weißen Schürze schwitzend umherfliegt, "Franz, einen Kübel voll vom Allerbesten, vom alten Rothen!"
"Jo, s'ischt anfangs nöthig, daß Ihr's in Kübeln fordert, d'Butelle sind bi Gott alle z'sammeng'schlage!" brummt der Franz.
"Franz, hol ihnen den Brunnentrog im Hof, sie können die Köpf hineinhängen, daß sie bälder voll werden!" ruft der Duckmäuser vom Tisch seiner Schwitt herüber und der Willibald schaut ihn giftig an.
Schon um 5 Uhr trinkt der Max nicht mehr, hört auch nichts von der schönen Musik, denn er liegt schwerbetrunken hinter dem Holzschoppen des Hirzenwirths und seine Rothe mag auch irgendwo so ein Plätzlein gefunden haben; um 6 Uhr ist von der rothen Schwitt nichts mehr zu sehen als eine im Markgräfler gebadete und von Flaschen zerhämmerte Tischplatte voll Scherben und Teig; die Gäste wurden theilweise fortgetragen, theilweise taumelten sie hinaus, um im Freien sich zu lagern, nur der Hansjörg und dessen Schwester sitzen noch da und diese führt der Duckmäuser jetzt an die lange und dicht besetzte Tafel der schwarzen Schwitt.
Die Mädlen der rothen Schwitt haben sich theilweise fortgeschlichen, theilweise buhlen sie um Aufnahme bei der schwarzen, heute wird aber nichts daraus.
Der Duckmäuser hat auch Pyramiden von Wecken und Bretzeln aufstellen lassen, doch nichts durfte verdorben werden; er hat stets denselben Wein kommen lassen wie der Max, doch blieb die Tischplatte sauber und Niemand wurde zum Saufen gezwungen; Alle sind nüchtern und in Ehren fröhlich, der Duckmäuser sitzt stolz zwischen seiner Margareth und der Marzell.