Der theuern Margareth, der holdseligen Marzell und dem herzensguten Vefele erzählte er die Sache vom Liebhardt selbst, doch wollte er auf dem Markte, wohin er jeden Donnerstag mit einem Korb voll Eier, Butter und dergleichen geschickt wurde, ein großes Unglück gehabt und die zwei Gulden gebraucht haben, um den Schaden vor dem strengen Vater zu verbergen!

Er konnte als armer Bursche mit den paar rothen Batzen, welche die Mutter dem Vater für ihn abschwatzte, seine Anführersrollen nicht spielen, der Max würde ihn mit seinen Kronenthalern arg zu Schanden gemacht haben. Heimliche Schulden drückten den Benedict und seitdem er so gründlich erfahren, was der Vater von Schulden halte, wars ihm desto unlieber, weil die Mutter gar zu scharfe Augen machte, wenn sie den Marktkorb zurüsten half.

Ohne dem Augapfel ein Freudlein in Ehren zu mißgönnen, blieb sie sehr sparsam und häuslich; seit der Geldgeschichte schien ihr auch ein Licht darüber aufgegangen, weßhalb der Benedict seit einiger Zeit manchmal in "Brandpeterle's" Haus schlich, welches im Punkte der Ehrlichkeit und in einigen andern dazu nicht im besten Geruche stand. Sie paßte gewaltig auf, wenn derselbe seinen Marktkorb auf den Kopf nahm und in die nahe Stadt marschirte, suchte zuweilen hinter dem Getüchtrog und in andern Winkeln und schüttelte den ergrauenden Kopf, obwohl sie niemals etwas Verdächtiges fand.

Man munkelte im Dorfe hie und da von Schulden des Benedict, die rothe Schwitt meinte, "er habe es dick hinter den Ohren und sei halt der Duckmäuser", doch die Leute wurden nach und nach bezahlt und der rothen Schwitt das böse Maul gestopft.

An einem Dienstag Abend sitzt der Benedict bei den Mädlen unter den Linden, da sagt die Marzell: "Gelt, du hast heute ein Pfund Butter bei der krummen Lisbeth für s' Baschi's Wittfrau gekauft?"—"Ja, warum sagst du's?"—"He, die Lisbeth hat dich bei einer ganzen Heerd Weiber ausgerichtet, habest ihr kein Geld für die Butter gegeben und nachher doch behauptet, du hättest sie bezahlt!"—"Wart'! der Lisbeth will ichs morgen sagen! Hab' ich je in meinem Leben um einen halben Kreuzer betrogen?" fährt der Benedict auf und geht bald ein bischen verstimmt heim.

Am nächsten Markttage steht die krumme Lisbeth mit andern Weibern und Mädlen des Dörfleins auf dem Wochenmarkte und just neben einer Obsthändlerin. Auf einmal kommt der Benedict, kauft für zwölf Kreuzer Obst, gibt der Frau das Geld und geht.

Eine Viertelstunde später kehrt er eilfertig zurück und fragt die Obstfrau schon von weitem: "Nicht wahr, bei Euch habe ich für zwölf Kreuzer Obst gekauft?"—"Ja, das habt Ihr!"—"Ich habe Euch ja 's Geld nicht gegeben?"— "Doch, doch, Ihr habts mir in die Hand gelegt!"—"Oh, das kann gar nicht sein, ich weiß es von meinem Gelde, die zwölf Kreuzer fehlen mir nicht!"

Wer keine doppelte Bezahlung will, ist die blutarme Obstfrau, wer darob ein tüchtiges Geschrei anfängt, der Benedict und während alle Weiber recht aufpassen, sagt er und schaut auf die krumme Lisbeth hinüber. "So ist's! Die Eine will ihre Waare gar nicht, die Andere dagegen doppelt bezahlt haben! ... Für die halbe Stadt muß ich einkaufen; gehe ich nun auch einmal fort und vergesse in Gedanken das Bezahlen, so finde ich bald, wo es fehlt, wenn ich die Rechnung über mein Geld stelle! ... Doch zweimal, wie es vorgestern Eine mit ihrem Pfund Butter haben wollte, zahle ich nicht gern!"

"Da sieht man wieder, wie man den Leuten Unrecht thut!" ließen sich die Weiber vernehmen und schauten auf die Lisbeth.

"Ich hab's vorgestern gleich nicht geglaubt, der Benedict geht jetzt schon lange auf den Markt und hat sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen![">[ meint die Apel.