Doch Alles sollte anders kommen, der Duckmäuser in keine französische Uniform, sondern in einen germanischen Zuchthauskittel schlüpfen!

Am 4. Tage machten die Buben und Mädlen die üblichen Hochzeitspossen und Umzüge, die Musikanten mußten überall voranschreiten, die Lustigkeit währte tief in die Nacht und der dienstfertige Benedict suchte dieselbe auch auf andere Weise denn durch seine Klarinette zu erhöhen.

Er hatte in der Heimath einmal zugesehen, wie der Max in einer Scheune seiner rothen Schwitt eine katholische Messe las und unternahm jetzt dasselbe vor einem großen Haufen junger Leute. Still und lautlos sahen ihm Alle zu bis zur Communion, wo er bei Nachäffung des kelchtrinkenden Priesters beinahe erstickte. Jetzt erhob sich ein fürchterliches Toben, Lärmen und hundert Stimmen riefen: "Meinst, wir seien lutherisch, Du Schwob!—Schlagt den Schwob tod!"[tod!]—Nieder mit dem Ketzer!"

Der lange Maier streckt den Dorfhanswurst mit einer einzigen Ohrfeige der Länge nach auf den Boden, die Zunächststehenden fallen über ihn her, sie hindern sich gegenseitig durch ihre Anzahl im Zuschlagen und er würde sicher nicht lebendig davon gekommen sein, wenn nicht der alte Geistliche sammt dem hochgeachteten Notar des Ortes zu seiner Hülfe herbeigeeilt wären. Sie nahmen sich seiner barmherzig und kräftig an, die Fäuste ließen ihn los, die Bursche und Männer tobten und lärmten nur noch bunt durcheinander.

Zu dem bleichen, zitternden Deserteur sagt der Adjunkt von Killstett. "Wir wissen wohl, daß bei Euch drüben die Geistlichen nur Vormittags eine Stunde geistlich, die übrige Zeit des Tages aber weltlich sind und daß ihr Gelbfüßler alle lutherisch seid, doch bei uns kommt ihr mit solchen Späßen nicht an!"

Alle Freundlichkeit und Liebe gegen den Duckmäuser hat ein Ende, das Brautpaar läßt den Hochzeitgästen und Musikanten sagen, sie möchten den "gottlosen Schwob" ja nicht mehr ins Hochzeitshaus bringen, Gott könnte ihnen keinen Segen schenken, wenn sie einen solchen Menschen wissentlich unterhielten. Der große Maier macht bereits wieder Augen wie Pflugräder, die Gesichter Anderer verkündigen einen neuen Sturm, der ehrwürdige Pfarrer muß die Aergsten abermals beschwichtigen, Benedict sucht ängstlich Gelegenheit zum Fortkommen, findet solche und kommt mit einigen Tritten und Stößen glücklich ins Freie.

Doch eilt er nicht sofort aus Wanzenau weg; der volle Instrumentenbeutel hält ihn fest, er getraut sich nicht zurückzukehren und seinen Antheil zu fordern, weil er im Dunkeln oder beim Wiedererscheinen gar zu leicht den verdienten Lohn für sein Messelesen ernten könnte; die Theilung des Geldes unter den Musikanten sollte erst am Ende der Hochzeit vorgenommen werden, somit befindet er sich in einer recht mißlichen Lage und klettert zunächst auf einen Baum, wo er sicher vor Entdeckung und im Stande ist, seine Gedanken zu sammeln. Er wartet bis die meisten Leute wieder zum Rathhause zurückgekehrt sind, klettert alsdann vom Baume herab, paßt eine gute Gelegenheit ab, schleicht trotz einiger nachläßig gewordener und theilweise betrunkener Aufpasser ins Haus zurück, erobert in der Geschwindigkeit nicht blos seinen Lohn, sondern den ganzen schwergefüllten Instrumentenbeutel und macht sich dann eiligst aus dem Staube.

Jedoch noch nicht über die letzten Gärten und Häuser des Dorfes hinausgekommen, vernimmt er bereits Allarm, hört auf allen Seiten schreien und hinter sich einige Verfolger, darunter den großen Cuirassier, der ungeheure Sätze macht und seinen Sarras unter schrecklichen französischen und elsässischen Flüchen schwingt.

Hat ein Romanenheld jemals den Silberschein des Mondes in die unterste Hölle verflucht, so ist dieser der Benedict gewesen, während der nächtlichen Galoppfahrt aus Wanzenau. Gleich einem Riesen der fabelhaften Vorzeit schreitet der große Maier mit blitzendem Pallasch brüllend durch die Mondnacht, hinter ihm quicken die gewöhnlichen, diesmal außergewöhnlich erbosten Menschenkinder, jede Sekunde erhöht die Todesangst des galloppirenden Benedict, denn jede Secunde bringt die Feinde näher und vermehrt deren Zahl, schon hört er die schweren Athemzüge des keuchenden Riesen, schon schwingt dieser die furchtbare Waffe und gebietet dem "Spitzbuben" Halt auf Leben und Tod—im entscheidenden Augenblicke läßt Benedict den schweren Instrumentenbeutel klirrend fallen, der Riese bleibt stehen, der Verfolgte jedoch stürzt sich verzweifelnd in die Brisch, welche breit und tief genug ist, um mit Dampfschiffen befahren zu werden, die Todesangst verzehnfacht seine Kraft und glücklich erreicht er das jenseitige Ufer.

Drüben stehen die Verfolger, der große Maier ist im Besitze des Instrumentenbeutels, man findet es nicht mehr der Mühe werth, den Deserteur anders denn durch Schimpfnamen und Verwünschungen zu verfolgen, von denen dieser bald nichts mehr hört, weil er triefend doch wohlgemuther auf's Gerathewohl vom Flusse ins Land einwärts läuft.