Die bewußte Pflege dieses stärksten aller kindlichen Triebe, des Tätigkeits- und Beschäftigungstriebes war für Fröbel der Anfang wahrer Menschenerziehung. Er erblickte darin reinste Darlebung der Menschheit in der Kindheit. „Menschheitspflege und Kindheitspflege,“ schrieb er einmal „wohnen in einem Tempel.“

Fröbel begnügte sich nun aber nicht damit, die Pflege des Tätigkeitstriebes zu fordern, sondern er wollte zugleich Wege weisen, wie der Tätigkeitstrieb gepflegt werden könne, er wollte den Kindern Material in die Hand geben, an dem sich ihre inneren und äußeren Kräfte entfalten würden. So schuf er:

1. seine „Mutter- und Koselieder. Dichtung und Bilder zur edlen Pflege des Kindheitlebens. Ein Familienbuch“ (1844). Mit 50 großen Kupfern von Friedrich Unger[3];

2. seine Gabenreihe (Ball – Kugel, Würfel, Walze – Baukästen) mit den dazu gehörigen „Anleitungen“ (für die Erwachsenen);

3. seine zahlreichen sonstigen Beschäftigungen (Legetäfelchen, Flecht- und Faltarbeiten, Ausstech- und Ausnähblätter u. dgl.).

Es würde zu weit führen, im einzelnen zu zeigen, wie Fröbel sich diese neue Kindheitpflege in Familie und Kindergarten dachte. Auf die einzelnen Maßnahmen kam es ihm dabei auch gar nicht zu sehr an, als vielmehr auf den Geist, in dem das Ganze aufgefaßt und ausgeübt wurde.

Und da setzte er seine ganze Hoffnung auf die Frauenwelt.

In dem mütterlichen Instinkt, in dem angeborenen Pflegesinn des Weibes sah er die gott- und naturgewollte Grundlage echter Kindheitpflege. „Kinderleben und Kinderliebe, Kinderleben und Frauensinn,“ schreibt er einmal, „überhaupt Kindheitpflege und weibliches Gemüt trennt nur der Verstand. Sie sind ihrem Wesen nach eins. Denn Gott hat das leibliche wie das geistige Fortbestehen des Menschengeschlechts durch die Kindheit in das Frauenherz und -gemüt, in den echten Frauensinn gelegt.“

Freilich, diese Einigung von Kindheit und Frauenleben, die früher wohl bestand, ist durch die Riesengewalt äußerer Verhältnisse und die wirtschaftlichen Nöte der Zeit vielfach verloren gegangen. Weil sie sich ihres innersten Wesens, ihrer eigentlichen Bestimmung nicht bewußt waren, darum haben die Frauen diese Einigung viel zu leicht aufgegeben. Aber die unnatürliche Trennung zwischen Frauenleben und Kindheit, zwischen Weiblichkeit und Kinderleben hat dazu geführt, daß allmählich das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit von „Kinderleben und Frauensinn“ erwacht ist und das Streben, diese natürliche Einheit wieder herzustellen. „Der ersten Kindheitpflege muß das Frauenleben wieder ganz zugewandt werden; Frauenleben und Kindheitpflege muß allgemein wieder geeint, weibliches Gemüt und sinnige Kinderbeachtung muß wieder ein Einiges werden.“ (Fröbel.)

Was das weibliche Geschlecht bisher rein instinktiv getan, nur seinem Naturtriebe folgend – also im Grunde passiv –, das soll und wird es in Zukunft bewußt ausüben, aus höherer Einsicht, aus eigenem Willen – also im Grunde aktiv. Dadurch wird das bisherige natürliche Tun der Frau zur Kulturleistung. Denn alles natürliche Tun beruht auf dem Instinkt, alle Kulturleistung aber auf dem Bewußtsein und dem Willen des Menschen.