Sie selbst blieb noch manches Jahr daheim, war des Hauses Sonnenstrahl, der Mutter erster Minister, des Vaters kluger kleiner Rat und der Geschwister treueste Freundin. Aber dann kam eines Tages Raoul und holte sich Gottliebe zur Frau, holte sie fort von Hohensteinberg gleich in die allergrößte Stadt Deutschlands, nach Berlin. Er hatte es mit unermüdlichem Eifer und Fleiß zu einem tüchtigen Arzt gebracht, sein Name wurde später weit über den Kreis seines Vaterlandes hinaus in hohen Ehren genannt. Doch weil Raoul sie holte, weil sie an Raouls Seite ging, erschien Gottliebe auch die fremde, große Stadt wie eine Heimat.
»Eine rechte Tugendbündlerin fürchtet sich auch nicht vor der Fremde,« sagte sie heiter. Und als Eltern und Geschwister sie fragten: »Wirst du denn wo anders als in Hohensteinberg glücklich sein?« erwiderte sie: »Mit Raoul immer und überall!«
»Raoul ist auch der einzige, dem ich dich gönne,« sagte Joachim am Hochzeitstag, und die Großmutter legte segnend die Hände auf der Enkelin blonden Scheitel: »Einen Besseren konntest du nicht finden!«
Gesperrter Text markiert durch: gesperrt.
Antiqua-Text markiert durch: Antiqua.
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.