„Von unserer Pate!“ Die Buben schrieen es wieder zusammen. Eigentlich war Frau Geheimrat von Ringewald in Leipzig nur die Patin von Mathes, aber das nahmen die Bübles nicht so genau. Und ehe Herr Baldan nur Luft schnappen konnte zu einer neuen Frage, erzählten sie so geschwind, wie ein Hase rennt, von der Frau Pate. Furchtbar reich sei sie und furchtbar vornehm, und mal wäre sie in Breitenwert gewesen und im Silbernen Stern krank geworden. Frau Hinz, die Sternwirtin, hatte sie gut und treulich gepflegt, und weil Mathes gerade ein wunderfitziges kleines Büblein war, hatte sie viel Spaß an ihm gehabt und hatte den Kleinen noch am Tage vor ihrer Abreise aus der Taufe gehoben. Und alle Jahre zu Weihnachten kam eine Kiste mit Spielsachen drin, aber selbst war die Frau Patin nie wieder in Breitenwert erschienen. „Aber jetzt hat sie geschrieben, wir sollen kommen,“ rief Peter, und Mathes fügte stolz hinzu: „Sie möcht’ uns arg gern kennenlernen!“

„Na, die wird sich schön wundern, wenn ihr zwei Löwengäßler ankommt!“ brummte Herr Baldan. Der hatte heute Regenwetterlaune, aber den Sternbuben verdarb er mit seinem Gebrumme nicht ihre purzelvergnügte Sonnenscheinlaune. Die beiden schwätzten so lustig weiter, als säße der grillige Herr Baldan irgendwo auf dem Glasberg im Märchen. Sie zählten die Tage bis zur Abfahrt und berichteten allerlei furchtbar wichtige Dinge; so sagte Mathes: „Wir kriegen neue Hösle.“

„Ja, und neue Hüte und neue Schuhe,“ schrie Peter.

„Alles neu, sogar neue Sacktüchles!“ Dabei fiel es Mathes ein: ein Sacktuch kann man manchmal brauchen; er fuhr in seine Tasche und brachte ein schwärzliches, zusammengeklebtes Lappending zum Vorschein.

„Pfui, aber pfui!“ riefen die drei Mädel entsetzt, und Trinle, die neben Mathes stand, sprang gleich ein paar Schritte weit. Sie rümpfte ihre kleine Nase verächtlich und sagte ganz spitzweis: „Soll das ein neues Tüchle sein?“

„In Leipzig werden sie sich ja recht über die Saubarteles wundern!“ brummte Herr Baldan wieder. Doch diese Rede kränkte Mathes nicht so sehr wie Trinles Verachtung. Er seufzte tief und versenkte sein mißachtetes Taschentuch wieder in die Tiefe seiner Tasche.

Und just da fiel Peter etwas ein, über das er ganz plötzlich in ein unbändiges Lachen ausbrach. Er kreischte vor Vergnügen, tat einen Luftsprung, krümmte sich wie eine Sichel, wollte etwas sagen, schluckte und prustete und brachte vor Lachen doch kein Wort heraus.

Die andern sahen ihn verdutzt an, auch Mathes sah erst verwundert drein, doch auf einmal fiel ihm ein, an was der Bruder denken könnte, und er stürzte auf ihn zu und tuschelte ihm etwas ins Ohr.

„Freilich, freilich!“ Peter nickte und kicherte, prustete und schluckte, hielt sich sein Bäuchlein vor Lachen, und Mathes tat ihm alles nach. An jedem Ende der Löwengasse war das Gelächter der beiden zu hören.

„Sagt’s doch, was habt ihr denn?“ Die andern wurden ungeduldig, sie wollten auch das große, furchtbar wichtige Geheimnis erfahren. Aber die Sternbübles brachten kein ganzes Wort heraus. Die schnappten nach Luft wie ein paar Fischlein, die man auf ein Sofa gesetzt hat, und Herr Baldan tippte mit dem Finger an seine Stirn und sagte ärgerlich: „Übergeschnappt, übergeschnappt. Das kommt von der Reise.“