„Aber Kasperle!“ rief der Herzog, „wo hast du den Ring her?“

Kasperle legte den Kopf schief, schielte den Herzog bittend an und erzählte von seiner Kletterei und den scheltenden Elstern.

„Mein Himmel,“ sagte der Herzog, „eine Elster hat den Ring gestohlen und der arme Herr von Lindeneck ist darum in Verdacht gekommen! Kasperle, um des Ringes willen soll dir alles, alles verziehen sein.“

Da kugelte und kollerte sich Kasperle im Zimmer herum, und plötzlich bettelte er: „Herr Herzog, laß mich nach Lindeneck laufen!“

„Dann reißt du aus.“ Der Herzog schüttelte ernst den Kopf, aber Kasperle hing tief betrübt die Nase. „Du hast doch noch nicht gesagt: ‚Geh zum Teufel!‘“, murmelte er und seufzte schwer dazu.

„Ei, das ist gut! Vorher reißt du also wirklich nicht aus?“ rief der Herzog lachend. „Nun, dann brauche ich ja keine Sorge zu haben; das sage ich nie. Also laufe nur nach Lindeneck und bestelle, der Herr von Lindeneck möchte gleich kommen. — Aber,“ er rieb sich nachdenklich die Nase, „weißt du denn, wo Lindeneck liegt?“

Kasperle nickte eifrig und ganz zutraulich erzählte er dem Herzog von seiner Freundschaft mit dem traurigen Marlenchen.

Der Herzog wurde sehr, sehr nachdenklich. Er schämte sich, daß er dem Herrn von Lindeneck so unrecht getan hatte, und er dachte bei sich: Eigentlich ist das Kasperle besser als ich. — Solche Gedanken hatte der Herzog selten, wenn sie ihm aber kamen, dann blickten seine Augen milde und gütig und das Kasperle dachte: Jetzt gefällt er mir.

„Nun laufe nur schnell!“ sagte der Herzog. „Halt, der Haushofmeister mag dich ein Stück geleiten, denn wenn dich die Base Gundolfine erwischt, geht es dir übel. Sie denkt sogar, du hättest heute nacht gegeistert, und du lagst doch in deinem — Kasperle!“ Der Herzog machte plötzlich wieder böse Augen, denn Kasperle ließ gar zu schuldbewußt seine Nase hängen. „Du warst es doch, Kasperle!“

Der Schelm nickte, und schon wollte der Herzog schelten, da fiel sein Blick auf den Ring und er sagte: „Na ja, klettern kannst