Der Herzog war ganz munter geworden, und es war ihm eingefallen, er hatte doch gesagt: „Geh zum Teufel!“ Also war das Kasperle frei. Da schrie er, so laut er konnte: „Haltet ihn, haltet ihn!“
Der Diener, der jemand aus dem Zimmer hatte huschen sehen, rief um Hilfe. Er dachte, dem Herzog habe gar jemand etwas zuleide getan. Auf sein Rufen kamen andere Diener, Kammerherren,
der Haushofmeister, alle herbei; alle fragten, was geschehen sei, der Herzog konnte aber vor Ärger eine ganze Weile kaum schnaufen. Als er endlich erzählte, was geschehen sei, da hopste Kasperle gerade über die Parkmauer.
„Man muß ihn verfolgen, ihn fangen, einsperren!“
„Mit Verlaub, das wäre aber unrecht,“ sagte der Haushofmeister, der ein ehrlicher Mann war. „Der Herr Herzog hat gesagt: ‚Geh zum Teufel!‘ und da ist Kasperle fort.“
Aber davon wollte der Herzog nichts wissen. Er wurde fuchsteufelswild. Der Hauptmann der Landjäger mußte kommen, und der Herzog befahl allen, sie müßten nach Kasperle suchen. Das ganze Schloß geriet in Aufregung, und als die Prinzessin Gundolfine hörte, was geschehen war, vergaß sie, sich vor Ärger ihre Haare aufzusetzen.
Fackeln wurden angezündet, die Hunde losgelassen, Landjäger und Diener marschierten auf, und alle schickten sich an, nach Kasperle zu suchen. Zuletzt fiel es dem Herzog noch ein, Kasperle könnte beim Herrn von Lindeneck sein, und er befahl, man solle dort zuerst fragen.
Da marschierten mitten in der Nacht mit Bumbum und Trara Landjäger vor Schloß Lindeneck auf, und Marlenchen, die gerade einen lieblichen Traum gehabt hatte, lief erschrocken an das Fenster. Was war denn geschehen?
„Kasperle ist verschwunden,“ hörte sie rufen. Da erschrak sie tief in ihrem Herzen. Hatte der kleine Freund wirklich sein Wort gebrochen? Sie schlüpfte rasch in ihre Kleider und lief barfuß die Treppe hinab. Unten stand ihr Vater, der redete mit dem Hauptmann und sagte, daß Kasperle nicht im Schloß sei. Und der Hauptmann erzählte, was eigentlich geschehen war. Auf einmal fragte er: „Haben Sie eine Glocke auf dem Hofe, Herr von Lindeneck?“
Der schüttelte den Kopf, aber er horchte verwundert auf. Es war wirklich, als bimmele irgendwo ein Glöckchen, fein und zart.