Da senkte Damian beschämt den Kopf und sagte kläglich, der Herzog August Erasmus habe so eine große

Belohnung ausgeschrieben; die habe er sich verdienen und wirklich das Kasperle stehlen wollen. Der Kasperlemann, der ihn dazu ansgestiftet, der habe ihm verraten, wo Kasperles Kammer sei.

„Ei, das sind ja schöne Geschichten!“ rief Meister Friedolin. „Solange ich im Waldhaus wohne, ist so ein schlechter Mensch noch nicht dagewesen.“

„Ich bin nicht schlecht, — au, au!“ schrie Damian, denn Kasperle schlug noch immer auf ihn los. Da faßte Michele Kasperles Hand und sagte: „Nun hat er genug. Die Geschichte wird unserem Fürsten Johann Jakob Joseph Jeremias gemeldet und dem Bauer Strohkopf in Protzendorf dazu, da wird der Damian schon seine Strafe bekommen.“

Dem langen Damian wurde es himmelangst, und er, der sonst am Tag kaum drei Worte sprach, bettelte und bat jetzt kläglich, man möchte ihn nicht verraten, er würde Kasperle auch immer beschützen, wenn es einmal in Gefahr geriete.

Der Damian jammerte so, daß Kasperle geschwind vor lauter Mitgefühl ein jämmerliches Geheul anfing und flehte: „Laßt ihn los, ach bitte, bitte, bitte!“

„Na meinetwegen!“ brummte Meister Friedolin, Herrn Severin war es auch recht, und Frau Liebetraut streichelte Kasperle und sagte: „Das ist mal recht von dir, daß du den Damian losbittest!“

Da durfte der heimwärts ziehen, die Leute im Waldhaus sagten ihm zu, sie würden ihn nicht anklagen, und Damian versprach nochmals heilig und teuer, wenn er einmal dem Kasperle helfen könne, würde er es tun. Zu guter Letzt gab ihm Kasperle noch die Hand, und Damian trollte sich von dannen.

Im Waldhaus gingen alle in ihre Betten, auch Kasperle kroch hinein, und jetzt lockte und rief ihn der Mond nicht mehr. Der war weiter gewandert, fing schon an, blaß vor Ärger zu werden, denn er sah den neuen Tag heraufziehen, und er fand, er könnte ganz gut einmal die Sonne vertreten und am Tage scheinen. Doch die wollte

sich das nicht gefallen lassen. Auf einmal war sie da, die Vögel sangen ihr jubelnd entgegen, im Bubenkämmerlein aber lag Kasperle noch immer mit offenen Augen im Bett. Und gar nicht froh sah er aus, sondern höchst betrübt. Ihm war nämlich eingefallen, wie er dem Michele helfen könnte. Aber das war ein schweres Werk, fast zu schwer für ein Kasperle!