„Na ob!“ Kasperle grinste von einem Ohr bis zum andern, aber gleich erschrak er sehr, denn der Herzog erhob drohend seinen goldenen Degen, der immer an seinem Bette hängen mußte, und er sagte streng: „Kasperle, hüte dich, sonst wirst du in einen Käfig gesperrt! Jetzt geh, und wehe dir, wenn heute noch einmal solches Geschrei entsteht!“
Da ging Kasperle mit hängender Nase zum Zimmer hinaus,
und draußen seufzte der Geiger Michael tief. „Ach, mein Kasperle, mein armes Kasperle, wie wird’s dir ergehen!“ sagte er traurig.
Kasperle brummelte: „Ach, gut!“ Und bei sich dachte er: Vielleicht sagt er doch einmal: „Geh zum Teufel!“ Ich will’s schon versuchen, daß er es sagt!
Sechstes Kapitel
Hochzeit und Reise
Der Tag der Hochzeit brach an. Von weither kamen die Leute gelaufen, um Rosemarie, die liebliche Braut, zu sehen. Und alle freuten sich, daß sie nicht den alten Grafen von Singerlingen, sondern den schönen jungen Geiger Michael zum Manne bekam.
In aller Morgenfrühe, als der Herzog gerade frühstückte, spielte das Michele auf der Wiese vor dem Schloß auf seiner Geige. Das klang wundersam. Jetzt klagte und weinte die Geige nicht mehr, sondern sie jauchzte, und manch einer, der zuhörte, meinte, ihm müsse das Herz springen vor Freude, so jubelte die Geige.
Die schöne Rosemarie stand still in ihrem weißen Kleide mit dem grünen Kränzlein im Haar neben dem Geiger, und jeder, der die beiden sah, erzählte noch sein Lebenlang, ein schöneres Paar habe er nie wieder gesehen.
Und dann raunten und tuschelten sich die Leute zu: „Und morgen heiratet der Graf von Singerlingen des Königs Base, die Prinzessin Gundolfine.“
„Warum denn morgen, warum nicht heute?“ fragte ein naseweises Jungfräulein.