das zu üben, und gerade wie er mitten drin war, kam Veit ins Turmstübchen.

Der lachte vergnügt. „O Kasperle,“ sagte er, „was bist du für ein schnurriger Kauz! Nun komm nur her und frühstücke! Der Haushofmeister läßt dir sagen, du sollst dich erst ordentlich satt essen, damit du nachher beim Herzog nicht wieder wie ein kleiner Vielfraß zulangst. Du sollst nämlich mit dem Herzog frühstücken.“

Schön war diese Aussicht gerade nicht. Kasperle seufzte schwer, aber dann befolgte er den guten Rat des Haushofmeisters. Er aß sich so plumpsatt, daß er sich kaum noch rühren konnte. So wohl gerüstet ging er zum Frühstück des Herzogs.

„Mach’ eine schöne Verbeugung!“ hatte Veit ihm geraten. Das wollte Kasperle auch tun. Er verbeugte sich tief, weil er aber so vollgegessen war, platzten ihm unversehens seine Hosenknöpflein, und das fand der Herzog nun wieder sehr, sehr unschicklich.

Kasperle mußte das Zimmer verlassen, und die Hausverwalterin Babette nähte ihm erst die Knöpflein wieder an. Das war eine gutmütige Frau, die ihren Spaß an Kasperle hatte. Sie versprach ihm auch, sie wolle ihm einen neuen Kittel nähen, einen von himmelblauer Seide.

„Lieber grün,“ bettelte Kasperle.

„Meinetwegen auch grün, aber warum denn?“

Doch das sagte Kasperle nicht. Er dachte bei sich: Wenn ich ein grünes Wämslein habe und durch den Wald laufe, sieht man mich nicht. Ein ganz kleines bißchen dachte der Schelm nämlich ans Ausreißen. Wer weiß, der Herzog sagte doch einmal etwas vom Teufel!

Jetzt freilich mußte er zum Herzog zurückgehen. Der war eigentlich kein böser Mann, nur seit er seinen Ring verloren hatte, war er noch grilliger als früher geworden. Unrecht tun wollte er niemand, aber weil ihn nie jemand ob seiner üblen Launen gescholten

hatte, dachte er, diese seien gar nicht schlimm. In der Nacht hatte er an Kasperle gedacht, und der kleine Kerl hatte ihm sehr leid getan. Er sann nach: Kasperle war doch noch nie an einem Hofe gewesen, wie konnte er wissen, wie man sich da benehmen mußte! Morgen bin ich recht gut gegen ihn, hatte sich der Herzog vorgenommen, darum hatte er Kasperle auch zum Frühstück eingeladen.