Der Herzog August Erasmus hätte wohl mitgelacht, ja es zuckte einmal um seinen Mund, aber er war so schrecklich eingebildet
auf seinen Herzogstitel, da hielt er das Lachen nicht für würdevoll. Er sah streng zu Kasperle hin, und der erschrak über den bösen Blick und tauchte vor Schreck die Nase in seinen Kompotteller. Es spritzte hoch auf.
Der Herzog rümpfte die Nase. Nein, dieses Kasperle betrug sich zu schlimm! Er winkte Veit. „Bring’ ihn hinaus!“ sagte er streng.
Da mußte Kasperle aufstehen und er dachte: Nun werde ich wieder eingesperrt. Sein Gesicht wurde ganz traurig, und der Herzog sah dieses traurige Kasperlegesicht und es war, als rede jemand zu ihm: Kasperle kann doch nichts anderes sein als eben ein kleiner Schelm, der immer herumkaspert!
Weil der Herzog aber immer meinte, alles, was er tue, sei recht und gut, rief er Kasperle nicht zurück, und Veit sagte zu dem draußen: „Nun geh geschwinde in deinen Turm, ich dringe dir nachher noch allerlei Gutes.“
Da stieg Kasperle in seinen Turm hinauf, kletterte wieder auf das Fensterbrett und schaute dahin, wo Schloß Lindeneck aus den Baumwipfeln hervorsah. Er dachte an das traurige Marlenchen, und auf einmal stieg ein ganz bitterer Groll gegen den Herzog in des Kasperles Herz empor. Der trug doch die Schuld an des Marlenchens Trauer; der Herzog und die Prinzessin Gundolfine, die beiden waren es.
Kasperle sprang vom Fensterbrett herab, zerrte zwei Stühle heran, nahm einen Stock, der in der Ecke lehnte, und bums, bums! schlug er auf die Stühle ein. „Warte du, warte du!“ schrie er.
„Ja, warte du!“ sagte jemand und hielt Kasperle fest „Aber Kasperle, was machst du denn?“ Der alte Haushofmeister sah ganz verdutzt dem kleinen Burschen in das bitterböse Gesicht.
„Ich hau’ den Herzog da, und die Prinzessin da.“ Kasperle riß sich los und schlug unverdrossen auf die Stühle ein. „Klapp, du, klapp, du!“
„Jemine!“ Sein guter, alter Freund sah Kasperle entsetzt an. „Aber Kasperle,“ rief er, „du bist doch ein abscheulicher Strick! Wenn das unser Herr Herzog hörte, dann möchte es dir schlecht gehen. In das allerfinsterste Loch würdest du gesteckt.“