„Das Kasperle war’s,“ rief der Herzog. „Ich glaube auch, ich habe es gesehen, als die Türe aufging.“

Der Graf meinte auch, es könnte wohl Kasperle gewesen sein, denn ein Einbrecher hätte nicht mit dem Geldsack Fangeball gespielt, sondern den lieber mitgenommen.

„Die ganze Gegend muß abgesucht werden,“ befahl der Herzog, „irgendwo muß doch der kleine Kobold zu finden sein!“

Als Michele an diesem Abend seine Herde heimtrieb, ging er dicht am Schloß vorbei. Er traf auch eine Küchenmagd, und als er die ein bißchen dies und das fragte, da erzählte ihm die flugs alles, was geschehen war. Dem Michele wurde das Herz schwer, und er konnte in der Nacht gar nicht ordentlich schlafen vor lauter Angst um Kasperle. Er trieb am andern Morgen

seine Herde so früh aus, daß die Bauersfrauen schalten, es sei noch bald nachtschlafene Zeit. Als Michele am Schloß vorbeikam, sah das auch noch ganz verschlafen aus; an der Stelle aber, wo der geheime Gang in den Wald lief, stand ein Wächter. Der blickte grimmig drein und schrie Michele zu: „Nimm heute deine Geißen in acht, Bub, nachher wird der Wald von Jägern und Hunden abgesucht.“

Ei, da rannte das Michele, und die armen Geißen konnten nicht genug hopsen und springen. Michele trieb sie zu immer größerer Eile an, und der Wächter lachte hinter ihm her. Hätte der nur geahnt, zu wem das Michele eilte! Der fand Kasperle noch in seiner Felsspalte sitzen, und aufgeregt erzählte er ihm die neue Gefahr. „Bleib da drinnen,“ sagte er, „ich pflanze flink einen Busch davor, da sieht dich niemand.“

Und Michele tat, wie er gesagt hatte. Er grub einen Busch aus, pflanzte den vor die kleine Höhle und machte das so geschickt, daß wirklich der Eingang verdeckt wurde. Kasperle saß innen, Michele außen. So schwätzten sie zusammen.

Die Mittagsstunde kam, es blieb ganz still im Walde, und gerade sagte Kasperle, nun wolle er ein bißchen herauskommen, als aus der Ferne her lautes Rufen und Hundegebell erklang. Da schlugen den beiden Kameraden die Herzen arg, denn näher und näher kam der Lärm. Und auf einmal trat der brummige Matthias mit zwei andern Jägern aus dem Walde

heraus. Als der Förster Michele so ruhig seine Geißen weiden sah, rief er nur hinauf: „Ist hier jemand vorbeigekommen?“

„Nä, niemand!“ schrie Michele, und er dachte mit heimlichem Lachen vergnügt bei sich: Nun sage ich es doch richtig; wer innen sitzt, ist doch nicht vorbeigegangen!