ein Landjäger aus dem Gebüsch. „Halt!“ schrie der, „ich muß alles untersuchen, ob hier nicht jemand ein Kasperle über die Grenze trägt.“
Herr Severin begann auf seiner Geige zu spielen, wundersam klang es, dazu sagte er: „Ich komme von des Herzogs Jagdschloß, aber der Herzog hat mir kein Kasperle geschenkt.“ Darüber mußte der Landjäger lachen, und weil er auch dachte: So ein feiner Mann, der so schön spielen kann, was hat der mit einem Kasperle zu schaffen! ließ er Herrn Severin und Liebetraut ziehen. „Dies vermaledeite Kasperle!“ schalt er; „seit Wochen suchen wir danach, mal ist es da, mal ist es dort, und nie fängt man es.“
„Ja, ja, es ist wohl ein schlimmer Schelm, paßt nur gut auf, daß es Euch nicht an der Nase vorbeiläuft!“ sagte Herr Severin lustig.
„Mir nicht!“ schrie der Landjäger; „ha, ich bin ein ganz Schlauer, mir entwischt das Kasperle nicht!“
Herr Severin fing rasch wieder an auf seiner Geige zu spielen. Diesmal war es ein heiteres Stücklein, das sollte das Lachen übertönen, das aus dem schwarzen Kasten klang. Kasperle wollte nicht lachen, er konnte aber nicht an sich halten. Er kicherte immerzu, und der Landjäger rief Herrn Severin noch nach: „Ei, Herr, Ihr könnt aber fein spielen, es ist ja beinahe, als lache Eure Geige!“
„Paßt auf, daß Kasperle Euch nicht entwischt!“ rief Herr Severin noch, und da lachte auch Liebetraut.
Lachend schritten sie weiter, und auf einmal tauchte das Waldhaus vor ihnen auf. Nun ließ Herr Severin das Kasperle wieder aus dem schwarzen Kasten heraus. Da tat der einen lauten Freudenruf. Vor ihm lag das Waldhaus, ganz umblüht von einem sommerbunten Garten. Seine Fenster standen offen, und an einem der offenen Fenster saß Meister Friedolin und schnitzte. Kasperle rannte mit lautem Jubelgeschrei auf das Haus zu, und dem Meister Friedolin entfiel sein Schnitzmesser vor Staunen. Je, was war denn das!
Kasperle war wieder da, das Kasperle!
Mutter Annettchen kam herbei, sie hielt die Bratpfanne in der Hand, so schnell war sie vom Abendessenkochen weggelaufen.
Und Kasperle mußte erzählen immerzu, und dazwischen mußte er essen, und Herr Severin wurde genötigt, als Gast im Waldhaus zu bleiben. Er bekam das allerschönste Zimmer im Oberstock. Da schaute ihm der Wald in die Stube hinein, und Herr Severin spielte darin bis spät in die Nacht so wunderschön, daß Liebetraut auf ihrem Bette saß und vor Freude weinte.