„Ob wir viel Ferienarbeiten kriegen?“ flüsterte auf der Mädelseite Annchen Amsee ihrer Nachbarin Mariandel zu, und drüben auf der Bubenseite seufzten Heine Peterle, Anton Friedlich und noch einige andere: „Hoffentlich gibt's nichts auf!“

In diese Fragen hinein sagte der Herr Lehrer plötzlich: „Ferienarbeiten will ich nicht viel geben, nur einen Aufsatz sollen die Großen schreiben, von irgend etwas erzählen, was ihr erlebt habt, oder etwas beschreiben, was euch sehr gefällt; die Kleinen mögen...“

Was die Kleinen sollten, darauf hörten die Großen gar nicht mehr, sie waren nur heilfroh, daß sie selbst nicht viel aufbekommen hatten. Ein Aufsatz! Pah, die Arbeit war nicht groß, die störte nicht die Ferienfreude, und so stürmten denn die Kinder mit lautem Jubelgeschrei nach Schluß der Schule auf die Dorfgasse hinaus.

„Bewahr' mich!“ sagte Muhme Rese, die mit ihrem Strickstrumpf vor der Haustüre saß, „heute schreien aber die Kinder wie die Hottentotten!“ Muhme Rese hatte zwar in ihrem ganzen Leben noch keinen Hottentotten gesehen, und wo die eigentlich lebten, wußte sie auch nicht, aber „Hottentottengeschrei“ galt ihr als etwas Fürchterliches.

„Nä, der Lärm! Wozu es auch nur Ferien geben muß!“ murrte Schuster Pechdraht.

Nun, wenn es der Schuster auch nicht wußte, die Buben und Mädel wußten es ganz genau, wozu Ferien da sind; sie hatten so viele lustige Ferienpläne, wußten so viele Spiele, die sie spielen wollten, daß sie auch mit sechs Wochen Ferien fertig geworden wären.

Als Traumfriede heimkam und seine Bücher in den Schrank legte, kam Muhme Lenelies rasch aus dem Gärtchen heraus und sagte: „Du, Friede, die Wassermüllerin war vorhin da, sie läßt fragen, ob du die Ferien über Hirt bei ihr sein willst; ihr Peter soll bei der Ernte helfen. Magst du?“

Die gute Muhme fragte ein bißchen mitleidig, sie hätte ihrem Pflegesohn gern die Ferienfreiheit gegönnt.

Friede aber machte gar kein betrübtes Gesicht, sondern sah sehr vergnügt drein. Des Wassermüllers Kühe austreiben und den lieben langen Tag draußen sein zu dürfen, erschien ihm ein köstliches Ferienvergnügen.

Er sagte darum hell und froh: „Ei gewiß, Muhme, ich tu's gern!“