„Hat geschriet!“ flüsterte der dicke Friede.

„Hat geschriet!“ stammelte Heine Peterle.

„Schrie!“ sagte der Herr Lehrer und runzelte ein wenig die Stirn. „Nun lies weiter!“

Heine Peterle riß die Augen weit auf, seufzte schwer und murmelte bedrückt: „Ich – bin fertig.“

„Na, das muß man sagen,“ rief der Herr Lehrer, „angestrengt hast du dich nicht.“

„Nä,“ bekannte Heine Peterle ehrlich und fiel mit der Nase beinahe auf sein Pult.

„Wir sprechen nachher noch miteinander,“ sagte der Lehrer streng. „Annchen Amsee, lies du vor!“

Annchen las. Sehr lang war ihr Aufsatz auch nicht, auch sie hatte von dem verflogenen Papagei geschrieben. Dann kam der blaue Friede dran, der hatte die gleiche Geschichte erzählt. Ein Berenbacher Bube hatte eine Fahrt nach der Stadt beschrieben, ein Mädel einen Besuch bei der Großmutter. Zuletzt rief der Herr Lehrer Traumfriede auf, und rasch wisperten ein paar Stimmen: „Der hat auch den Papagei.“

Aber Friede hatte den Papagei nicht in seinem Heft. Der Bube hatte einen Tag im Walde beschrieben. Von Bäumen und Blumen, von der Sonne, dem Wind, dem Gesang der Vögel und den schneeweißen Ziegen hatte er erzählt; von dem alten Hünengrab und denen, die darin schliefen, und deren Singen und Sagen an sonnenhellen Tagen im Walde zu hören war. Wie ein Märchen klang es. Alle hörten ganz andächtig zu, und als Friede geendet hatte, da sahen ihn alle verwundert an. Nein, so einen Aufsatz hatte kein anderes Kind geschrieben, das war ja beinahe, als hätte Muhme Lenelies eine Geschichte erzählt.

Der Lehrer sagte nichts weiter, er nickte Traumfriede nur sehr freundlich zu, so freundlich, daß in dem Herzen des Buben die Hoffnung erwachte, eine besonders gute Zensur zu erhalten. „Nun gebt mir alle eure Hefte ab,“ gebot der Lehrer, und da ertönte auch schon draußen das Bimbaum der Schulglocke.