— Die Nichtswürdigen haben mir Alles gestohlen, Nadia.
— Mir blieben noch einige Rubel und meine Augen. Ich kann für Dich mit ihnen sehen und Dich dahin führen, wohin Du allein niemals gelangen würdest.
— Und wie sollen wir weiter reisen?
— Zu Fuß.
— Und wovon leben?
— Wir betteln.
— Nun denn, mit Gott!
— Komm, Michael.“
Die beiden jungen Leute nannten sich nicht mehr Bruder und Schwester, das gemeinsame Unglück kettete sie noch inniger an einander. Beide verließen [pg 2-86] das Haus, nachdem sie eine Stunde geruht hatten. Nadia durcheilte vorher die Straßen des kleinen Ortes, und es war ihr geglückt, einige Stücken „Tschornekhleb“, d. i. eine Art Gerstenbrod, und etwas Meth, der in Rußland mit dem Namen „Meed“ bezeichnet wird, zu erlangen. Beides kostete ihr nichts, denn sie hatte sich bezwungen, als Bettlerin anzuklopfen. Das Brod und der Meth sättigten nothdürftig Michael Strogoff’s Hunger und Durst. Nadia hatte ihm den größeren Theil des kärglichen Mahles aufgenöthigt. Er aß die Brodbissen, die ihm seine Gefährtin einen nach dem andern reichte; er trank aus der Kürbisflasche, die sie an seine Lippen setzte.
„Ißt Du auch, Nadia? fragte er wiederholt.