Ihm entlockte es keine Klage, keinen Widerspruch! Er wanderte schnellen Schrittes, so daß sich der Strick, der ihn mit dem Reiter verband, kaum anspannte. Er blieb immer „der Mann von Eisen“, von dem General Kissoff dem Czaaren gesprochen hatte.
Am nächsten Tage, dem 11. September, erreichte der kleine Zug den Flecken Chibarlinskoë.
Hier trug sich ein Ereigniß zu, das von sehr ernsten Folgen werden sollte.
Die Nacht war gekommen. Während einer Stunde der Rast hatten die tartarischen Reiter sich mehr oder weniger betrunken. Sie wollten jetzt wieder aufbrechen.
Da wurde Nadia, welche bis jetzt wie durch ein Wunder von den Soldaten achtungsvoll behandelt worden war, von einem derselben insultirt.
Michael Strogoff zwar sah weder die Beleidigung, noch den Beleidiger, aber Nicolaus hatte diesen für ihn gesehen.
Ganz ruhig, ohne es sich weiter zu überlegen [pg 2-128] und ohne sich von seiner That Rechenschaft zu geben, schritt Nicolaus gerade auf den frechen Burschen zu, und bevor dieser eine Bewegung machen konnte, ihn aufzuhalten, ergriff Jener eine in der Satteltasche steckende Pistole und schoß sie dem Tartaren mitten auf die Brust ab.
Der die Abtheilung commandirende Officier kam auf den Knall des Schusses herzugelaufen.
Die Reiter wollten den unglücklichen Nicolaus erwürgen, doch auf ein Zeichen des Officiers begnügte man sich, ihn zu fesseln, band ihn quer auf ein Pferd, und fort ging es wieder in tollem Galop.
Der Strick, mit dem Michael Strogoff angebunden war und der schon halb durchnagt sein mochte, riß bei der unerwartet heftigen Bewegung des Pferdes, und sein halb betrunkener Reiter sprengte in wildem Laufe hinaus, ohne es nur gewahr zu werden.