Vor zwei Jahren war der zweite Sohn, Pat, mit einem dem Hause Marcuart in Liverpool gehörigen Handelsschiffe, dem »Guardian«, ausgesegelt. Zwei Briefe waren von ihm, nach Durchkreuzung der Südsee, eingetroffen, der letzte vor neun oder zehn Monaten, seitdem fehlte es aber ganz an Nachricht von ihm. Selbstverständlich hatte Martin darum nach Liverpool geschrieben. Die erhaltene Antwort lautete aber nicht besonders beruhigend. Man hatte weder durch Zeitungen, noch durch die auswärtigen Correspondenten etwas über das Schicksal des Schiffes gehört, und die Herren Marcuart machten über ihre Befürchtungen wegen des »Guardian« kein Hehl.

Von Pat war in Folge dessen auf der Farm vielfach die Rede, und Findling sah deutlich genug, welchen Kummer dieses Ausbleiben jeder Nachricht der ganzen Familie bereitete.

Da war wohl die Spannung kein Wunder, mit der man jeden Tag das Eintreffen der Briefpost erwartete. Der kleine Knabe lauerte sie auf der Straße ab, die diesen Theil der Grafschaft mit deren Hauptorte in Verbindung setzt. Sobald er den an seiner blutrothen Farbe leicht erkennbaren Wagen von weitem erblickte, lief er, was er laufen konnte, nicht wie die Straßenbuben, die ein paar Kupfermünzen nachstürzen, sondern nur um zu hören, ob nicht ein Brief an Martin Mac Carthy angekommen wäre.

Der Postdienst ist auch in den entlegensten Grafschaften Irlands ganz vorzüglich eingerichtet. Der Wagen hält auf dem Lande an allen Thüren an, um Briefe zu vertheilen oder anzunehmen. An Mauern und Grenzsteinen befinden sich Kästen mit einer Rothgußplatte, selbst einfache Säcke, die an Baumzweigen hängen und die der Postconducteur im Vorüberkommen ausleert.

Leider traf kein Brief von der Hand Pats, auch keiner von der Firma Marcuart in der Farm ein. Seitdem der »Guardian« zuletzt in den Australischen Meeren gesehen wurde, war und blieb er vorläufig verschollen.

Die Großmutter war tiefbetrübt, denn gerade Pat hatte sie besonders ins Herz geschlossen. Auch jetzt sprach sie unausgesetzt von ihm, den sie bei ihrem hohen Alter nun kaum wiederzusehen fürchtete. Findling suchte sie immer zu beruhigen.

»Er wird schon wiederkommen, sagte er. Noch kenne ich ihn nicht, muß ihn aber doch kennen lernen, da er ja zur Familie gehört.

– Und er würde Dich ebenso lieb gewinnen, wie wir, antwortete sie.

– Es muß doch herrlich sein, Großmutter, Seemann zu sein! Wie schade nur, daß man da einander, und immer so lange, verlassen muß. Könnte denn nicht gleich eine ganze Familie zur See gehen?

– Nein, mein Kind, als Pat fortging, hat das mich tief geschmerzt! Wie glücklich sind die, die sich niemals zu trennen brauchen!... Unser Junge hätte auch auf der Farm bleiben können. An Arbeit würde es ihm nicht gefehlt haben, und wir verzehrten uns jetzt nicht vor Unruhe. Er hat es nicht gewollt... möge Gott ihn uns zurückführen!... Vergiß ja nicht, für ihn mitzubeten!