Der junge Kirchenzeuge wurde also zuerst getauft; nach dieser Ceremonie hielten die Großmutter und er das Kind über das Taufbecken und die Kleine wurde, entsprechend dem Wunsche ihrer Pathin, »Jenny« getauft.
Sofort verkündeten die Glocken dem Kirchspiele die Vollziehung der feierlichen Handlung, krachten vor der Kirche Kanonenschläge und regnete es Coppers auf die Straßenjugend der Ortschaft. Was hatte sich aber alles vor der Thüre des Gotteshauses versammelt! Es schien, als ob alle Armen der Grafschaft sich hier ein Stelldichein gegeben hätten.
Die Heimkehr nach der Farm erfolgte in fröhlichster Stimmung. Mit dem Geistlichen an der Spitze zogen die Festgäste, ein gutes Dutzend Nachbarn und Nachbarinnen, dahin. Alle nahmen an der im großen Zimmer aufgestellten Tafel Platz, für die die Gerichte von einer ausgezeichneten, eigens aus Tralee geholten Köchin bereitet waren.
Selbstverständlich waren die Speisen bei diesem denkwürdigen Festmahle alle den Vorräthen der Farm entnommen. Von außerhalb rührte gar nichts her, weder die Hammelkeulen mit schmackhaft gewürzter Sauce, noch die Hühnerbraten mit saftiger Beilage, weder die Schinken, noch die Kaninchenröstbraten, nicht einmal die Salme und Hechte, denn diese waren eigenhändig im Cashen gefangen worden.
Findling hatte selbstverständlich alle die schönen Sachen unter die Rubrik »Abgänge« eingetragen und so seine Buchführung auf dem Laufenden erhalten. Nun konnte er mit Gewissensruhe essen und trinken. Hier saßen auch Tischgäste, die mit gutem Beispiele vorangingen, Leute mit Magen, die weniger nach der Herkunft der Speisen, als nach deren Menge fragten. So blieb von dem Frühstück rein nichts übrig, weder von den drei warmen Gerichten, noch von der Nachspeise, obwohl der Plum-pudding aus Reis von gewaltiger Größe war und es für jede Person noch eine Johannisbrodtorte und eine Menge Sellerie gab.
Und dazu der Ingwerwein, der Stout, der Porter, das Sodawasser und der Usquebaugh (eine Art Whisky), der Brandy und der Gin, nebst dem Grok, hergestellt nach dem berühmten Recepte: »hot, strong and plenty« – »heiß, stark und reichlich« – genug, um die geübtesten Trinker der Provinz unter den Tisch zu bringen. Gegen Ende der drei Stunden währenden Mahlzeit glänzten denn auch die Augen wie Feuerbrände und glühten die Wangen wie Kohlen im Kamin. In der Familie Mac Carthy huldigte man der Nüchternheit. Kein Glied derselben besuchte die für die Katholiken begehenden »Aether-Schänken«, noch viel weniger die »Alkohol-Schänken«, wo die Protestanten verkehrten. Doch bei einem Taufschmause konnte man sich wohl ein wenig gehen lassen, und dann war ja auch der Geistliche bei der Hand, um die Absolution zu ertheilen.
Martin beobachtete seine Gäste auch sorgsamst und fand dabei unerwartete Unterstützung durch seinen zweiten Sohn Pat, der sich sehr mäßig gehalten hatte, während Sim vielleicht »einen kleinen Spitz« davontrug.
Und als ein dicker Farmer aus der Nachbarschaft sich wunderte, daß ein Seemann ein so zaghafter Trinker sei, erwiderte der junge Mann:
»Das kommt daher, daß ich die Geschichte John Playne's kenne!
– Die Geschichte John Playne's?