In den folgenden Wochen gab es auf der Farm noch tüchtig zu thun. Zunächst mußte die eingeheimste Ernte ausgedroschen werden und dann hatte Martin die Märkte der Nachbarschaft zu besuchen, um seine Vorräthe, unter Zurückbehaltung des Samengetreides, zu verkaufen.
Diese Verkäufe interessierten den Knaben ungemein und deshalb nahm ihn der Farmer auch dazu mit. Gierig nach Gewinn war Findling aber keineswegs, nur sein Instinct wies ihn immer und immer wieder auf den Handel hin. Im übrigen begnügte er sich mit dem Kieselstein, den ihm Martin nach Verabredung jeden Abend einhändigte, und er freute sich, seine Schätze wachsen zu sehen. Der irischen Rasse ist übrigens die Sucht nach Gewinn im allgemeinen angeboren. Die Bewohner des Grünen Erin verdienen einmal gerne Geld, wenn das in ehrlicher Weise möglich ist. Und wenn der Farmer etwa auf dem Markte in Tralee ein gutes Geschäft gemacht hatte, freute sich Findling ebenso herzlich darüber, als wenn das ihm selbst angegangen wäre.
October, November und December verliefen recht gut. Die Arbeiten waren längst beendigt, als sich der Einholer des Pachtzinses am Abende vor Weihnachten in der Farm von Kerwan einstellte. Das Geld für ihn lag bereit; doch als dieses erst gegen eine regelrechte Quittung ausgetauscht war, blieb auf der Farm fast keines mehr übrig. Um es nicht mit anzusehen, wie dieses mit saurem Schweiße gewonnene Geld aus dem Hause ging, hatte sich Murdock sofort zurückgezogen, als der Einholer nur sichtbar wurde. Immer hatte er die Unsicherheit der Zukunft vor den Augen. Zum Glück war für den Winter gesorgt und die Vorräthe gestatteten auch, die Arbeiten im Frühlinge ohne weitere Auslagen wieder aufzunehmen.
Mit dem neuen Jahr trat sehr strenge Kälte ein, die jeden ans Haus fesselte, wo es an Arbeit übrigens nicht fehlte. Mindestens war doch für die Pflege und die Ernährung der Thiere zu sorgen. Findling war vor allem der Hühnerhof anvertraut und auf ihn konnte man sich ja verlassen. Hühner und Küchlein wurden ebenso sorgsam gepflegt, wie über sie Buch geführt. Inzwischen vergaß der Knabe auch nicht, daß er ein Pathenkind hatte, und wie freute er sich allemal, Jenny in die Arme zu nehmen, sie lächeln zu machen, indem er die Kleine anlachte, und sie in der Wiege einzuschläfern, wenn ihre Mutter beschäftigt war. Ein Pathe ist fast so viel wie ein Vater, und er betrachtete das zarte Kind als seine Tochter. Für sie entwarf er hochfliegende Pläne. Sie sollte keinen andern Lehrer haben als ihn. Er wollte ihr erst reden, dann schreiben und endlich haushalten lehren.
Findling hatte von dem gelegentlichen Unterrichte Martins und seiner Söhne, vor allem Murdocks, viel profitiert. Jetzt war er weiter vorgeschritten als bis zu dem Punkte, wohin Grip ihn gebracht hatte... der arme Grip, der seine Gedanken unausgesetzt beschäftigte....
Der Frühling setzte nach recht hartem Winter nicht allzuspät ein. In Begleitung seines Freundes Birk gab sich der junge Schäfer wieder der gewohnten Beschäftigung hin. Unter seiner Leitung zogen Schafe und Ziegen wieder auf die Weideplätze in einmeiligem Umkreis von der Farm. Immer schmerzte es ihn, sich an den andern Feldarbeiten, die freilich mehr Kräfte erforderten als er besaß, noch nicht betheiligen zu können. Zuweilen klagte er darüber gegen die Großmutter, und diese antwortete dann tröstend:
»Geduld... das wird auch noch kommen....
– Doch könnt' ich inzwischen nicht wenigstens ein Feld besäen?
– Würdest Du das so gern versuchen?
– O gewiß, Großmutter! Wenn ich Murdock oder Sim den Arm wiegend und regelmäßig fortschreitend die Samenkörner auf die Erde streuen sah, da trieb mich's immer, es ihnen nachzuthun. Es ist eine so schöne Arbeit und so interessant zu denken, daß aus diesen Körnern Halme, lange, lange Halme hervorgehen. Wie kann das nur zustandekommen?...