Wie stolz wäre der kleine Bursche gewesen, wenn er vor diesem Anschlage gestanden hätte. Er konnte ja lesen, und hier stand sein Name schwarz auf weiß in großen Buchstaben.
Dieser Stolz wäre freilich bald gedemüthigt worden. In der Garderobe der Miß Anna Walston erwartete ihn ein wirklicher Kummer.
Bis zum heutigen Abend hatte er keine »Costümprobe« gehabt, weil man das für unnöthig erachtete. Er war also stets mit seinen besten Kleidern nach dem Theater gegangen. Jetzt brachte aber Elisa, während sich Miß Anna als Herzogin von Kendalle schmückte, für ihn eine ganz zerfetzte Tracht herbei, die sie ihm anzulegen begann, scheinbar schmutzige, zerrissene Lumpen, die freilich auf der Innenseite völlig sauber waren. In dem rührseligen Stücke ist Sib in der That ein verlassenes Kind, das seine Mutter in den dürftigsten Verhältnissen wiederfindet, seine Mutter eine Herzogin, eine Schönheit in Sammet, Seide und duftigen Spitzen.
Als er den Anzug sah, glaubte der kleine Knabe zuerst, er solle nach der Lumpenschule zurückgeschickt werden.
»Miß Anna... Miß Anna! rief er schluchzend.
– Was willst Du? fragte die Künstlerin.
– Schicken Sie mich nicht wieder zurück, bitte, bitte!
– Dich zurückschicken?... Warum denn?
– Hier die alten, schlechten Kleider...
– Nein... was er sich gleich einbildet!