Der erste Tag ließ sich ganz glücklich an. Für den jungen Knaben war es ein wahrer Hochgenuß, unter den Segeln der »Doris« über das leicht bewegte Meer dahinzuschaukeln. Von der Seekrankheit fühlte er keine Spur. Ein Schiffsjunge hätte nicht mehr Seemann sein können als er. Nur ein Gedanke beschäftigte ihn wiederholt, der an die im Raum der Goëlette verstaute Fracht und daneben an die ungeheure Tiefe, die sich nur zu öffnen brauchte, um sein ganzes Vermögen zu verschlingen.
Für diese Befürchtung lag jedoch kaum ein Grund vor. Die »Doris« war ein solides Fahrzeug und ein vortrefflicher Segler, mit dem ihr Kapitän unter allen Verhältnissen umzugehen verstand.
Wie schade, daß Bob nicht mit an Bord war! Wie hätte sich dieser gefreut, einmal wirklich zu schwimmen, nicht wie auf dem »Vulcan«, wenn dieser im Hafen von Cork oder Dublin vor Anker lag. Hätte Findling eine Ahnung von dieser Rückfahrt zu Wasser gehabt, so würde er Bob unzweifelhaft mitgenommen haben und dieser wäre am Ziele seiner sehnlichsten Wünsche gewesen.
Das Ufer, das sich längs der Grafschaft Antrim hinzieht, ist herrlich anzusehen. Es hat überall weiße Mauern von Kreidefelsen und in diesen so viele Höhlen, daß das ganze Personal der gaëlischen Mythologie darin Raum gefunden hätte. Hier ragen die »Kaminschornsteine« empor, deren Rauch nur aus dem Wasserdunst der Brandung besteht, und erheben sich trotzige Steilufer, die mehr den Mauern einer Festung gleichen. Dort wieder dehnt sich die Chaussée der Riesen aus, die aus lothrecht stehenden Säulen, wunderlichen Basaltpfeilern, gebildet ist, welche von den anprallenden Wogen einen metallischen Ton geben, und deren es, wenn man den Touristen glauben darf, über vierzigtausend geben soll. Alles das bietet einen bezaubernden Anblick.
Die »Doris« hütete sich freilich, dem Riffgürtel nahe zu kommen, und um vier Uhr nachmittags segelte sie, das schottische Mull von Cantire nordöstlich liegen lassend, zwischen dem Cap Fair und der Insel Rathlin ein, um den Nordcanal zu gewinnen.
Die Nordwestbrise hielt sich bis drei Uhr nachmittags und zertheilte die hoch in der Luft dahinziehenden Wolken.
Während der Schooner so in zwei bis drei Meilen Entfernung vom Ufer dahinsteuerte, war kaum ein leichtes Rollen, und vorzüglich gar kein Schlingern des Schiffes wahrzunehmen. Findling hatte das Deck keinen Augenblick verlassen; hier wollte er bleiben, bis ihn vielleicht die nächtliche Kälte nach der Cabine des Kapitäns hinuntertrieb. Voraussichtlich ließ diese erste Seefahrt in ihm die angenehmste Erinnerung zurück, und er beglückwünschte sich schon, seine Ladung selbst begleitet zu haben. Er hoffte mit einem gewissen Stolz in den Hafen von Dublin einzulaufen, wo ihn Grip, Sissy, Bob und Kat, die ja von O'Brien benachrichtigt sein mußten, gewiß mit Jubel empfangen würden.
Zwischen vier und fünf Uhr nachmittags ballten sich im Osten dichte Dunstmassen zusammen. Der Himmel nahm schnell ein mehr bedrohliches Aussehen an. Die scharfbegrenzten, vor entgegengesetztem Winde treibenden Wolken stiegen mit großer Schnelligkeit auf. Keine Lichtung verrieth, daß diese Windrichtung vor Einbruch der Nacht wieder umschlagen würde.
»Achtung vor der Böe!« Das schien am äußersten Rande des Meeres geschrieben zu sein. John Clear verstand es, denn seine Stirn verdüsterte sich, als er den Horizont aufmerksam musterte.
»Nun, Herr Kapitän, fragte Findling, den die Haltung John Clear's nicht weniger wie die der Matrosen etwas staunen machte.