War sie am frühen Morgen von einem andern Schiffe aufgefunden worden?

»Uns gehört es!... Wir waren zuerst daran! riefen einige Männerstimmen.

– Nein... uns!« antworteten andre.

Findling begriff sofort, was hier vorging. Irgendwelche Schiffsmannschaften hatten wettgeeifert, das Wrack anzulaufen, und stritten sich jetzt, wem es zufallen sollte. Jetzt hatten sie den Rumpf erklettert, waren auf das Verdeck gekommen und geriethen ins Handgemenge. Zwischen den Rettungsmannschaften hagelte es Schläge.

Findling hätte sich nur zu zeigen gebraucht, um die Kampfhähne zur Ruhe zu bringen. Dessen hütete er sich aber weislich. Die Leute hätten sich einfach gegen ihn gewendet und ihn jedenfalls über Bord geworfen, um jeder späteren Reclamation zu entgehen. Er mußte sich also ohne Säumen verstecken und brachte sich zwischen den Waarenballen im Schiffsraume in Sicherheit.

Einige Minuten später hatte der Tumult aufgehört – ein Beweis, daß die Leute Friede geschlossen hatten. Sie waren übereingekommen, das verlassene Schiff vereint nach dem nächsten Hafen zu bugsieren und dort ihre Beute zu theilen.

Zwei Fischerboote, die vor Tagesanbruch aus der Bai von Dublin abgesegelt waren, hatten den treibenden Schooner zwei bis drei Meilen seewärts entdeckt und sofort aus Leibeskräften darauf zugehalten, denn nach geltendem Gesetz und Recht gehörte die Trift dem, der zuerst die Hand daran legte. Die Boote waren jedoch zu gleicher Zeit herangekommen. Daraus entstand der Streit, das Handgemenge, die Prügelei, und schließlich der beiderseitige Beschluß, die Beute zu theilen. Da hätten die saubern Küstenfischer freilich »einen schönen Fang« gemacht.

Kaum hatte Findling sich in den Frachtraum geflüchtet, als die Kerle auch schon die Treppe herabgepoltert kamen, um die Cabine zu untersuchen. Findling konnte sich wahrlich Glück wünschen, ein sichres Versteck aufgesucht zu haben, als er die Worte hörte:

»Es ist ein wahrer Segen, daß sich kein Mensch an Bord befindet!

– O, wenn's nur einer war, den hätten wir ja bald abgethan!«