»Nun vorwärts, mein getreuer Birk, vorwärts!«

Sofort lenkte das Thier nach der einen Straße ein, wo es seinem jungen Herrn vorauslief.

Nun traf es sich aber, daß Birk, eingedenk der erlittenen Mißhandlung, den Weg nach Limerick nicht einschlug. Er folgte vielmehr dem, der an der Grenze der Grafschaft Kerry hin und nach Newmarket in der Grafschaft Cork führt. Unbewußt entfernte sich Findling damit von der Familie Mac Carthy weiter, und als der Tag graute, machte er, erschöpft und von Hunger geplagt, Rast, um sich in einem Gasthause, ein Dutzend Meilen südöstlich von der Farm, zu stärken und zu erquicken.

Außer seinem Wäschepacket besaß Findling, wie sich der Leser erinnern wird, noch den Rest der bei dem Apotheker in Tralee gewechselten Guinee... die große Summe von ganzen fünfzehn Schillingen. Damit kommt man freilich nicht weit, wenn zwei zu ernähren sind, selbst wenn man sich auf das nothwendigste beschränkt und täglich nur einige Pence ausgiebt. Das beobachtete der Knabe auch, und nach vierundzwanzigstündigem Aufenthalt in dem Gasthofe, wo ihm ein Heuboden als Schlafraum und Kartoffeln als Speise dienten, machte er sich mit Birk wieder auf den Weg.

Auf seine Fragen nach den Mac Carthy's hatte der Gastwirth erklärt, daß ihm keine Familie dieses Namens bekannt sei. Austreibungen waren in diesem schlimmen Winter auch so häufig vorgekommen, daß sich die öffentliche Aufmerksamkeit diesen traurigen Ereignissen gar nicht mehr zuwandte.

Findling marschierte immer hinter Birk in der Richtung nach Newmarket weiter.

Wie er fünf lange Wochen, bis zum Eintreffen in diesem Flecken verbrachte, kann man sich wohl vorstellen. Niemals streckte er die Hand aus! Sein natürlicher Stolz und das Gefühl eigner Würde waren auch bei diesen neuen Prüfungen nicht erlahmt. Manche weichherzigen Leute, die das hilflose Kind dauerte, hatten ihm wohl ein größeres Stück Brod oder Speck u. dgl. gegeben, wenn er sich in den Gasthäusern versorgte und mit einem Penny bezahlte, was eigentlich das doppelte kostete – doch das ist immer noch nicht gebettelt. Dabei theilte er alles mit Birk, indem die beiden in Scheunen schliefen, sich ins Heu verkrochen und Hunger und Durst zusammen litten, um von der Guinee so wenig als möglich auszugeben....

Zuweilen blühte ihm auch das Glück, denn wiederholt erhielt Findling eine kleine Beschäftigung. Vierzehn Tage verweilte er z. B. in einer Farm in Vertretung des abwesenden Schäfers. Wohl erhielt er keinen Lohn, fand dabei aber doch für sich und Birk Obdach und Nahrung. Nach vollendeter Arbeit zog er weiter. Einige Aufträge, die er zwischen einem Dorfe und dem andern ausrichtete, brachten ihm auch ein paar Schillinge ein. Zum Unglück fand er nur keine dauernde Beschäftigung, denn es war die schlechte Jahreszeit, wo leider so viele rüstigere Arme feiern müssen, und grade in diesem Winter war das Elend schlimmer als sonst.

Findling hatte übrigens noch keineswegs darauf verzichtet, mit der Familie Mac Carthy wieder zusammenzutreffen, obwohl seine Erkundigungen nach ihr immer erfolglos blieben und er bei seinem Weiterwandern auf gut Glück nicht einmal wußte, ob er sich seinen Freunden näherte oder nicht. Nur die eine Hoffnung verließ ihn nicht, daß er in einer Stadt, in einer wirklichen Stadt, die gewünschte Auskunft erhalten werde.

Dabei drückte ihn die Sorge, daß er in seinem Alter so ganz allein auf der Landstraße gefunden, vielleicht als Vagabund verhaftet und noch einmal in die Ragged-School oder in ein Arbeitshaus eingeliefert werden könnte. Lieber wollte er alles Ungemach weiterer Irrfahrten ertragen, als in eines dieser verhaßten Asyle zurückkehren, wobei er sich ja auch von dem anhänglichen Birk hätte trennen müssen.