Im dortigen Gasthaus, wo man die mangelnde Bequemlichkeit durch unterwürfige Höflichkeit vergessen zu machen suchte, verbrachte man eine ungestörte Nacht. Zur großen Beunruhigung Findlings entstand aber am nächsten Morgen wieder eine Verhandlung darüber, ob der Wagen nach rechts abschwenken und unmittelbar nach Killarney zurückkehren, oder sich nach links wenden sollte, um nach Valentia zu gelangen. Da der Hôtelwirth aber versicherte, daß vor zwei bis drei Monaten der Fürst und die Fürstin von Kardigan denselben Weg genommen hätten, gab der Lord Piborne der Lady Piborne zu verstehen, daß sie doch nicht wohl anders könnten, als dem Beispiele dieser hochedeln Vorgänger zu folgen.
Die Abfahrt von Kilgobinet erfolgte um neun Uhr Morgens. Heute war regnerisches Wetter, so daß der Landauer geschlossen werden mußte. Die Herrschaften meinten sogar, der Groom neben dem Kutscher werde den stürmischen Wind kaum aushalten können. Bah! Der hatte schon ganz anderm Wetter getrotzt!
Der Knabe verlor also keines von den schönen Landschaftsbildern und bewunderte ebenso die nebelumfangenen Bergzüge des Ostens, wie die tiefen Abhänge des Westens, die zur Küste hinabfallen. In seiner Seele sproßte die Empfindung für Naturschönheiten immer mehr auf, und immer schärfer prägten sich diese seinem Gedächtniß ein.
Am Nachmittage zeigten sich, je weiter die vom Carrantuohill überragten Berge im Osten verschwanden, die Iveraghberge am entgegengesetzten Horizonte. Weiter hinaus sollte, dem Reisehandbuche nach, eine bequeme Straße nach dem kleinen Hafen von Cahersiveen hinabführen.
Gegen Abend erreichten Ihre Herrlichkeiten nach einer Fahrt von zehn Meilen die Ortschaft Carramore. Entsprechend dem hier sehr lebhaften Touristenverkehr giebt es daselbst auch zahlreiche, gut ausgestattete Hôtels, so daß die im Landauer mitgeführten Vorräthe nicht angegriffen zu werden brauchten.
Am folgenden Tage ging es bei Regenwetter weiter. Am Himmel jagten, bei steifem Winde vom Meere her, die Wolken schnell dahin. Nur von Zeit zu Zeit stahl sich ein Sonnenstrahl dazwischen hindurch. In vollen Zügen athmete Findling aber die mit den salzigen Dünsten des Meeres beladne Luft ein.
Kurz vor Mittag lenkte der Wagen nach einer scharfen Straßenbiegung gerade nach Westen hin ein. Nachdem er nicht ohne einige tüchtige Stöße einen Engpaß der Iveraghkette passiert hatte, rollte er, von dem Schleifzeug im Laufe gemäßigt, allein nach der Ausmündung der Valentia hinab, und gegen fünf Uhr hielt er am Ziele der Reise vor einem Hôtel in Cahersiveen.
»Wie viel mögen Ihre Herrlichkeiten wohl unterwegs von allen Schönheiten der Natur gesehen haben?« fragte sich Findling mit einem gewissen Bedauern für die Gleichgiltigkeit der vornehmen Herrschaft.
Er wußte ja noch nicht, daß so viele von den »Oberen Zehntausend« nur reisen, um sagen zu können, daß sie gereist seien.
Der Flecken Cahersiveen liegt am linken Ufer der Valentia, die sich hier zu einem Nothhafen erweitert, der den Namen Valentia-Harbour erhalten hat. Vor ihm erhebt sich die gleichnamige Insel mit ihrem Brag-Head, als einem der am weitesten nach Westen hinausragenden Punkte Irlands. Was den Flecken selbst betrifft, so wird kein Ire vergessen, daß er der Geburtsort O'Connell's ist.